Malerischer Spaziergang durch Hennef

"Malerischer Spaziergang durch Hennef" ist ein künstlerisch anspruchsvoller Impressionsrundgang durch Hennef, dessen Dokumentation nicht in Form von Fotos erfolgt, sondern durch in Acryl gemalte Bilder der Hennefer Künstlerin
Elisabeth Schneider. Hierbei erzählt die Künstlerin, die vor ca. zwei Jahren nach Hennef gezogen ist und seit zwei Monaten mit zum Team der Hennefer-Inspirationen zählt, ihre persönlichen Eindrücke von Hennef. Die von ihr aufwändig und detaillierten Gemälde zeigen Stationen Ihrer Erlebnistour durch Hennef und die Bilder werden jeweils angereichert durch Textpassagen, die das Motiv näher -teils geschichtlich- beschreiben.

In verschiedenen Etappen in unregelmäßigen Zeiträumen, werden einzelne Hennefer Stationen auf dieser Seite veröffentlicht. Wir werden Objekte, Natur und Menschen kennenlernen.

Wir laden Sie/Dich nun ein, uns auf den "Malerischen Spaziergang durch Hennef" zu begleiten.

Nähere Informationen zur Künstlerin auf ihrer Homepage www.elis-kurse.de oder auf dieser Homepage in der Rubrik "Hennefer Bürger und ihre Hobbies" (Beitrag vom 15.02.2014)
 

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Etappe 13: Meys Fabrik und Kurhaus

Einer der häufigsten und beliebtesten Wege vom Hennefer Zentrum zu meinem schönen Wohnort Hennef-Geistingen führt mich an der prachtvollen Villa Meys und der Meys-Fabrik vorbei und durch die Kurhausstraße.

Die schöne Villa Meys und die angrenzende Meys-Fabrik befinden sich in der Beethovenstraße. Die Villa mit dem Kutscherhaus des Fabrikanten Joseph Meys wurde 1896 erbaut. Seit 1938 ist sie im Besitz der Familie Dr. Alfons Ross.

1881 errichtete Wilhelm Joseph Meys die „Joseph Meys & Comp. Fabrik landwirtschaftlicher Maschinen“. Mit seinen Kollegen entwickelte und fertigte er die Geräte und Maschinen, die neue und ertragreichere Arbeitsweisen in der Landwirtschaft ermöglichten. Der Unternehmer gehörte zu den Begründern der Industrie in Hennef.

Das alteingesessene Familienunternehmen beschäftigte in seinen besten Zeiten über 250 Mitarbeiter. Wilhelm Joseph Meys spezialisierte sich auf die Herstellung von Sätechnik.

1939 wurde die Firma Mayfarth & Co. GmbH, Frankfurt a. M. übernommen, die sich mit der Konstruktion und Vorrichtungen für Sämaschinen beschäftigte.

Kurz vor Kriegende 1944/45 wurde das Unternehmen Meys ausgebombt, aber kurz danach wieder aufgebaut.

Der letzte Firmeninhaber war Herr Dr. Ross, der Schwiegersohn von Herrn Joseph Meys. Im Jahr 1952 meldete der Betrieb Konkurs.

Ab 1980 stand das Gebäude leer und verfiel, bis die Stadt es schließlich sanierte. Die Hennefer "Meys Fabrik" ist seit 1990 Heimat der Hennefer Stadtbibliothek, des Stadtarchives und der Hennefer Feuer- und Rettungswache. Außerdem beherbergt Sie einen schönen Saal mit Foyer. Der Saal bietet Platz für Veranstaltungen bis maximal 200 Personen und lässt durch die historischen Sheddach Fenster viel Licht herein. Die Initiative Kunst Hennef präsentiert in der Halle und im Foyer zwei Mal im Jahr eine Ausstellung mit Werken lokaler und regionaler Künstler.

Weiter geht es durch die Kurhausstraße.

2012 feierte das Kurhaus den 100. Geburtstag des Kneipp-Kurhauses.

Hierzu schreibt Sebastian Fink im General-Anzeiger:

„…Es war der 30. Juni 1912, als in Hennef ein Bauprojekt abgeschlossen wurde, das in der Folgezeit das Stadtbild maßgeblich verändern sollte. Es war ein Sonntag, als das Kurhaus Sebastian Kneipp seine Pforten zum ersten Mal öffnete….“


…“Genau 72 Jahre nach der Eröffnung, am 30. Juni 1984, wurde das Kurhaus in seiner ursprünglichen Form geschlossen. Heute befindet sich dort eine Seniorenresidenz. "Viele Räumlichkeiten sind noch so erhalten, wie sie früher waren. Der Flair sollte unbedingt erhalten bleiben", erklärte Karolin Rotfuchs, Leiterin des sozialtherapeutischen Dienstes und Mitorganisatorin der 100-Jahr-Feier.

Was sie meinte, wird schon im Eingangsbereich deutlich. Die alte Wandelhalle erscheint noch immer im alten Glanz, lediglich die Rezeption ist auf den ursprünglichen Bildern nicht zu sehen. "Auch das Mozartzimmer, das für kleine Feiern gedacht ist, oder das Rondell sind noch erhalten worden", sagte Rotfuchs. Sebastian Kneipp ist dem Kurhaus ebenfalls erhalten geblieben; eine Büste des Namensgebers findet sich im Eingangsbereich.

Alles begann 1894, als Pfarrer Kneipp ins Rheinland kam und seine Lehre verbreitete. Seine Behandlungstherapien beinhalteten Wasseranwendungen, Pflanzenwirkstoffe, Ernährungs- und Bewegungsempfehlungen. Der Hennefer Bahnhofsvorsteher Johann Strawe war so angetan von der Kneipp-Lehre, dass er im März 1904 einen Kneippverein in Hennef gründete und somit den Startschuss für das Kurhaus gab.

1911 begann dann der Bau des Kneipp-Kurhauses. Die beliebtesten Anwendungen der Kurgäste bestanden damals aus Tautreten, Wassertreten, Rücken- und Oberguß und ausführlichen Spaziergängen. Der Erste Weltkrieg beendete damals den Kurbetrieb. Erst 1927 wurde dieser wieder aufgenommen und der noch heute erhaltene Kurpark angelegt, in dem in der Folge zahlreiche Sportangebote stattfanden.

1936 dann erhielt die Stadt offiziell die Bezeichnung "Kneipp-Kurort Hennef". Auf vielen Schildern und Briefbögen wurde der Name dann auch stolz verbreitet. Dies zahlte sich für die Stadt und das Kurhaus aus, verbuchte man doch 1937 erstmals

10 000 Gastübernachtungen. Ein Anbau war unumgänglich. Doch es folgte der Zweite Weltkrieg und unterbrach den Kurbetrieb erneut.

1945, nach Kriegsende, zogen dann zunächst die Besatzungsmächte ins Kurhaus ein und nutzten dieses als Kommandozentrale. "Uns fallen noch heute immer wieder Fundstücke aus den letzten 100 Jahren bei Renovierungen in die Hände", sagte Karolin Rotfuchs. Zuletzt ein Gewehr mit Munition aus dem Zweiten Weltkrieg in einer Zwischendecke des Gästezimmers und ein alter Brief.

Nach dem Abzug der Besatzungsmächte wurde der Kurbetrieb wieder aufgenommen, ein Schwimmbad, ein Wildpark und eine Minigolfbahn, später noch ein Hallenbad, wurden eröffnet. 1976 wurde die Stadt Hennef als Kneipp-Kurort anerkannt. Mit der finanziell begründeten Schließung des Kurhauses 1984 verzichtete auch die Stadt auf diesen Titel.

"Heute ist das Kurhaus im Besitz der Familie Brähmer", erklärte Rotfuchs. 1989 folgte der Umbau zur Seniorenresidenz. In den 100 Jahren sind einige Gebäudeteile hinzugekommen, der Wohnraum ist so immer größer geworden. 154 Bewohner leben heute hier, die Zahl der Mitarbeiter ist auf 160 gestiegen…..“

Auch in diesen Tagen zeigt sich das Kurhaus im Umbau. Die Zahlen der Bewohner und der Mitarbeiter dürften sich seit 2012 um einiges erweitert haben.

Nun stehe ich am Hennefer Kurpark. Hier hat vor einem Jahr mein „Malerischer Spaziergang“ begonnen und hier geht er zu Ende. Es hat mir großen Spaß gemacht, die Stadt Hennef, die Menschen und ihre Geschichte auf diese Weise kennenzulernen und ihre Schönheit zu malen.

Hennefer-Inspirationen und ich danken allen Lesern, die uns ihr Interesse geschenkt und uns auf dem „Malerischen Spaziergang“ begleitet haben.

Und ich danke Frank Specht, der mir die Möglichkeit dazu gegeben hat, die Stadt Hennef auf meine Weise präsentieren zu dürfen:

Das wirklich Schöne malerisch zu sehen!

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Etappe 12: Heymershof / ehemaliger Sitz des Landratamtes, Proffenhof,

ehemaliges Amtsgericht, Kur-Theater

 

Immer wieder betrachte ich mit einer Faszination und unbändiger Neugier die Höfe im Hennefer Zentrum.

In einem Bereich der Frankfurter Straße von gerade einmal 200 Metern befinden sich drei gut erhaltene historische Hofanlagen und ein barockes Wohngebäude.

Interessant und lebendig schreibt Prof. Dr. Helmut Fischer in seinem Buch „Hennef an der Sieg (Heimat Archiv)“:

„…..Bereits um 1800 befand sich das Bauerndorf mit etwa zwanzig Wohngebäuden auf dem Weg zu einer vielversprechenden Zukunft. Die Keimzellen des Ortes bildeten der ehemalige Rittersitz, die Wasserburg und die mittelalterlichen Höfe der Abteil Siegburg und des Zisterzienserinnenklosters Zissendorf. Die Höfe scharren sich um die Kirche St. Simon und Judas. Südlich der Dorflage errichteten die Beamten des Amtes Blankenberg im 18. Jahrhundert ihre prächtigen Hofanlagen, den Lindenhof und den Proffenhof an der inzwischen ausgebauten Frankfurter Straße. Die Ausrichtungen für die Zukunft erschienen günstig: die französische Regierung des Großherzogtums Berg veränderte etwas ab 1806 die Verwaltungsstrukturen. Hennef wurde Sitz der gleichnamigen Mairie und des Friedensgerichts. Als 1815 die Rheinlande an das Königsreich Preußen fielen, blieb die Verwaltung der Bürgermeisterei in Hennef, ebenso das Friedensgereicht. Der Landrat des 1816 neu gebildeten Kreises Uckerath machte Hennef 1817 zu seinem Dienstort….“

Dieses wunderbare Anwesen war zwischen 1817 und 1825 Sitz des Landratsamtes des Kreises Siegburg. 1927 ging es in den Besitz der Gemeinde Hennef, 1939 war er Kreisschulungsburg der NSDAP. Der 1790 erbaute Heymershof ist heute noch mit seinen beiden Wirtschaftsflügeln vollständig erhalten.

Etwas weiter östlich folgt der Proffenhof, der 1722 erbaut wurde und u. a. dem Landdinger (Richter) geschlecht derer von Proff als Wohnsitz diente. Diese Familie stellte zwischen 1660 und 1799 die Landdinger des Amtes Blankenberg. Der östliche Wirtschaftsflügel musste dem Ausbau der Beethovenstraße weichen. Seit 1912 ist dieser charmante Proffenhof im Besitz der Familie des Hennefer Fabrikanten Karl Steimel.

Meine Aufmerksamkeit gilt desweiterem dem Backsteinbau von 1892. Er wurde als Gerichtsgebäude für den Gerichtsbezirk Hennef erbaut. Bis 1979 diente es als Zweigstelle des Amtsgerichts Siegburg. Heute ist das ehemalige Amtsgericht ein städtisches Kinder- und Jugendhaus. Eindrucksvolles Beispiel für preußische Verwaltungsarchitektur.

Die 12. Etappe des „Malerischen Spaziergangs“ endet mit einem Abstecher zum Kur-Theater Hennef, welches nicht ganz so alt ist wie die historischen Höfe, aber doch eine ebenso interessante Geschichte zu erzählen hat.

Das Kur-Theater Hennef wurde 1938 erbaut. Es ist neben den bereits geschlossenen Filmtheatern "Central" (heute Lokal "Jaja") und "Parklichtspiele" (heute Videothek) an der Frankfurter Straße das erste und letzte von ehemals drei Kinos in Hennef. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und verfügt über 195 Sitzplätze.

Seit 2003 wird das Kino vom „Verein der Freunde und Förderer des Kur-Theater Hennef e.V.“ betrieben. Neben Filmen wird es auch für Kleinkunst, Musik und andere Veranstaltungen genutzt.

Erster Vorgänger des Kinos war 1925 der benachbarte Tanzsaal. Er wurde für Stummfilmvorführungen mit Bänken ausgestattet, zur Begleitmusik gab es ein Klavier, das noch heute im Foyer des Kinos steht, und Geige. 1932 wurde das Kino zum Tonfilm-Theater „Kur-Lichtspiele“.

1938 wurde das heutige Kino-Gebäude fertiggestellt, am 13. August fand die feierliche Eröffnung mit dem Film "Immer wenn ich glücklich bin" (mit Theo Lingen und Hans Moser) und einem Filmball statt. Weil sich die Hennefer nicht an der Reichspogromnacht der Nationalsozialisten 1938 beteiligen wollten, wurde im Kino der Propaganda-Film "Juden ode Maske" gezeigt, womit die Hennefer von der scheinbar von den Juden ausgehenden Gefahr überzeugt werden sollten.

Nachdem das Kino gegen Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 kurze Zeit geschlossen war, nahmen amerikanische Soldaten das Kurtheater nach Kriegsende wieder in Betrieb. Den elektrischen Strom für ihre Filmvorführungen erzeugten sie mit einem Generator selbst. Kurze Zeit später übernahmen britische Soldaten das Kino.

Weil der Kino-Betrieb 1949 alleine sich nicht rentierte, sah sich die Betreiberfamilie Bellinghausen nach anderen Verdienstmöglichkeiten um, um das Haus zu erhalten. Der Umbau zum Opernhaus wurde unter der Bauleitung von Richard Bellinghausen durchgeführt. Das Kino wurde dabei um ein Drittel verlängert, ging also hinter der Leinwand noch weiter. Die „Kur-Lichtspiele“ wurden nun zum „Kur-Theater“ umbenannt. Es verfügte über 600 Plätze, eine drehbare Bühne und einen Orchester-Raum für 50 Musiker. Zeitweise waren bis zu 200 Schauspieler, Bühnenarbeiter, Musiker und andere Mitarbeiter an einer einzigen Vorführung beteiligt. Zur Eröffnung des Opernhauses wurde "Die Zauberflöte" gespielt. Kino- und Opern-Betrieb verliefen in dieser Zeit parallel.

Wenige Jahre später jedoch wurde das Theaterspielen wieder eingestellt, weil es zu aufwändig und finanziell nicht tragbar war. Der Bau wurde wieder verkürzt.

Seit dieser Zeit diente das Kino immer wieder als Kulisse für Dreharbeiten.

Als sich im Jahre 2003 die Familie Bellinghausen aus dem Kinobetrieb zurückziehen wollte, wurde das Kur-Theater ehrenamtlich als Verein weiter betreiben. Seit 2008 leitet Ingo Teusch gemeinsam mit einem sechsköpfigen Vorstand den Verein, der inzwischen über 1000 Mitglieder zählt.

Wer mag, kann das Jahr 2015 wunderbar ausklingen lassen.

Star Wars-Fans erwartet bis zum 25.12.2015 „Das Erwachen der Macht“.

Wer eine kulturelle Veranstaltung vorzieht, kann mit einer Weihnachtslesung der besonderen Art „Ferdinand Linzenich`s „Advenzkranzfirlefanz" am 18.12.2015, um 20.00 Uhr, ganz sicher einen schönen und amüsanten Abend erleben.

Also ab ins Kur-Theater! 

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Etappe 11: Bröl, Happerschoß und Heisterschoß

Mein Weg führt weiter zu den Hennefer Stadtteilen Bröl, Happerschoß und Heisterschoß.

Bröl wurde, wie einige Ortsteile in der Gegend, nach dem angrenzenden Brölbach benannt.

Der Ort wird 1400 als Broile erwähnt. 1816 hatte Bröl 165, 1871 132, 1961 210 und 1980 766 Einwohner. Bis 1956 war der Ort in zwei Hälften geteilt, die Grenze bildete der Walbach. Der rechts des Walbachs liegende Teil gehörte zur Gemeinde Altenbödingen, die linke Seite zur Gemeinde Happerschoß. Diese Aufteilung war begründet in der ursprünglichen geteilten Zugehörigkeit zu den Kichenspielen Happerschoß und Allner. Durch die Auflösung der zum Amt Lauthausen gehörenden Gemeinden und der Neubildung der amtsfreien Gemeinde Lauthausen gehörten beide Teile zu Lauthausen. Seit 1969 ist Bröl ein Ortsteil von Hennef (Sieg).

Nur wer es weiß, erkennt das ehemalige Dienstgebäude in Hennef-Bröl.  

So berichtet am 10.03.2014 der Rhein-Sieg-Anzeiger.

Bereits in der 3. Etappe meines „Malerischen Spaziergangs“ habe ich mich mit der Geschichte der Bröltalbahn beschäftigt. Bei diesem schönen historischen Fachwerkhaus, dem ehemaligen Bahnhof Bröl, stoße ich erneut auf diese interessante Vergangenheit.

Vor 61 Jahren dampften dort die letzten Züge.  

Die Zahl 78,5 soll vor gerade einmal drei Generationen im Bröltal jedes Schulkind gekannt haben. Darauf hätten Lehrer großen Wert gelegt, heißt es. Schließlich durchzogen Gleise in genau diesem Abstand – zweieinhalb englische Fuß – das Tal von Hennef bis ins oberbergische Waldbröl. Das legendäre Brölbähnchen, verband die Steinbrüche und Gruben rund um Ruppichteroth mit dem übrigen damaligen Sieg-Kreis und über Beuel und den Rhein sogar mit dem Rest der Welt.

Die Personenbeförderung nahm die Bröltalbahn 1871 auf, zunächst bis Ruppichteroth, ein Jahr später auf der ganzen Strecke. Zwei Stunden 20 Minuten benötigten die Dampfrösser bergauf, zehn Minuten weniger talabwärts, berichtet Hohn im Jahrbuch. Zu den berühmtesten Passagieren soll der englische Autor D. H. Lawrence gewesen sein. In Waldbröl habe er sich zu seinem Roman Lady Chatterley inspirieren lassen, heißt es.

Seit März 1954 ist die Bröltralbahn Geschichte. Damals fuhr der letzte Zug das Tal hinab, Gleise und Trasse wichen dem Ausbau der Bundesstraße 478.

Es geht weiter nach Happerschoß.

Erstmals erwähnt wurde der Ort 1054 als haberscozze. 1384 wird das Weistum des „Freigerichts Happerschoß“ für den Bereich der Honschaft genannt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Happerschoß von schwedischen Truppen gebrandschatzt, am 28. Oktober 1672 durch französische Truppen ausgeplündert. Die letzte und größte Heimsuchung fand am 11. August 1807 statt, als ein Großfeuer die unter Erzbischof Anno II. erbaute Kirche Sankt Remigius, 36 Wohnhäuser und 24 Scheunen vernichtete.

Am 1. Oktober 1956 wurde die Gemeinde Happerschoß der damals neu gebildeten amtsfreien Gemeinde Lauthausen zugeordnet. Im Rahmen der kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn wurde zum 1. August 1969 auch die amtsfreie Gemeinde Lauthausen aufgelöst, Happerschoß wurde der gleichzeitig neu gebildeten Gemeinde Hennef (Sieg) zugeordnet.

Heute erfreut sich der Hennefer Ortsteil Happerschoß über 1395 Einwohner und bietet einen wunderbaren Ausgangspunkt für Wanderungen zur Wahnbachtalsperre. Happerschoß liegt am Ende eines Bergrückens und bietet einen weiten Ausblick nach Süden Richtung Westerwald, nach Westen Richtung Siebengebirge und nach Nordwesten auf die Rheinische Bucht.

Es geht weiter zum Annoplatz! Hier lohnt es sich, ein paar Minuten zu verweilen.

Am 08.06.2011 wurde dieser auf Hochglanz gebracht.

Auch der Brunnen wurde restauriert und die von Ernst Fischer gestifteten Figuren konnten sich wieder in neuer Atmosphäre präsentieren.

Die Fröhlichkeit der beiden Brunnenfiguren hat auf mich eine ansteckende Wirkung. Beim Betrachten dieser herrlichen Gesichter packt mich Gute-Laune-Stimmung.

Zwischen den Nachbarorten Happerschoß und Heisterschoß kann der interessierte Wanderer ein Stück auf dem Planetenweg gehen, der am Fußballplatz von Happerschoß beginnt. Entlang des Weges wird ein maßstabsgerecht verkleinertes Modell des Sonnensystems dargestellt.

Heisterschoß gehörte noch bis 1956 zur damals eigenständigen Gemeinde Happerschoß.

An der Hauptstraße in Heisterschoß komme ich an dem ehemaligen Wasserturm vorbei. Heute dient er als privates Wohnhaus.

Das Wahrzeichen der 1166 erstmals genannten Siedlung Heisterschoß ist der in den zwanziger Jahren errichtete Wasserturm. Auf der Aufnahme aus der Entstehungszeit des Bauwerkes ist die ursprüngliche Fachwerkkonstruktion eines Rundganges um den betonierten Wasserbehälter des Turmes erkennbar. Die Wasserversorgung oblag damals dem Wasserleitungsverein. Erst der Anschluss an das öffentliche Netz des Talsperrenverbandes Wahnbachtalsperre machte diese Einrichtung der bürgerlichen Selbsthilfe überflüssig.

Heisterschoß ist auch bekannt durch den ehemaligen Brandweiher in der Teichstraße. Er ist ein beliebtes Etappenziel für Wanderer. An dieser Teichanlage findet alljährlich ein traditionelles Teichfest statt.

Der „Malerischer Spaziergang“ geht weiter. Es gibt noch viel zu entdecken.

Die Stadt Hennef ist spannend!

- Fortsetzung folgt -

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Etappe 10: Wallfahrtskirche Bödingen

Auf meinem Spaziergang durch das kleine Örtchen Bödingen, besuche ich die schöne Bödinger Kirche und das ehemalige Klosterareal. Wie immer nehme ich mir die Zeit, das Innere einer Kirche aufzusuchen. So auch dieses Mal genieße ich die Stille und die Ruhe, die mein Inneres von 100 auf 0 runterfährt. Mein Interesse gilt nicht nur der baulichen Kunst, die mich immer wieder fasziniert und begeistert, sondern auch den Menschen, die diese Stätte aufsuchen und die Stille in dieser Kirche mit mir teilen. Ein Mann und eine alte Frau mit Krücken und gebückter Haltung sitzen mit großer Andacht in der ersten Reihe vor einem Altar mit einem Marienbildnis.

Bei meinen Recherchen erfahre ich mehr über diese Kirche und ihre interessante Geschichte:

Der Legende nach fand anno 1397 der Arbeiter Christian aus Lauthausen im Wald bei Altenbödingen ein Marienbildnis. Seine Versuche, für dieses am Fundort eine Kapelle zu bauen, scheiterten. Die Mauern des Neubaus stürzten immer wieder ein. Da erschien ihm Maria in einer Vision und befahl ihm, seinen Maulesel mit Baumaterial zu beladen und diesem dann zu folgen. Mitten in der Wildnis blieb der Maulesel stehen. An genau dieser Stelle wurde die Wallfahrtskirche Zur Schmerzhaften Mutter Gottes errichtet und 1408 eingeweiht. Sie ist der älteste Wallfahrtsort der schmerzhaften Mutter in Deutschland.

Berichte über die Wundertätigkeit des Marienbildnisses zogen immer mehr Pilger an. Bis heute finden Wallfahrten nach Bödingen statt. Um diese Pilger zu betreuen, genehmigte der Papst anno 1411 vier Priesterstellen für Bödingen. Der immer größer werdende Pilgerstrom führte dazu, dass anno 1424 Priestergemeinschaft und Kirche in ein Augustinereremiten-Kloster umgewandelt wurden. Das Kloster Bödingen wurde direkt neben der Wallfahrtskirche Zur Schmerzhaften Mutter Gottes errichtet. Im Zuge der Säkularisierung löste man das Kloster Bödingen 1803 auf und verkaufte die Gebäude.

Die Wallfahrtskirche Zur Schmerzhaften Mutter Gottes wurde im spätgotischen Stil errichtet. Wichtigstes Element der Kirche ist das Marienbildnis, das sogenannte Gnadenbild. Seit 1750 wird es im Altar des Querhauses aufbewahrt. Zur Legende um den Kirchenbau wurde 1984 hinter dem Tor zum Kirchplatz ein Denkmal errichtet. Die Bödinger Pfarrkirche hat eine exponierte Lage und ist von weitem gut zu erkennen, so dass sie Wanderern oftmals als Wegweiser dient.

Ein wichtiges Ereignis für Marienpilger nach Bödingen ist das Kompassionsfest, das Fest der sieben Schmerzen Mariä. Das Kompassionsfest wird jedes Jahr am vierten Freitag nach Ostern begangen.

Die Wallfahrtskirche Zur Schmerzhaften Muttergottes in Bödingen gehört zum Denkmalbereich Kulturlandschaft Unteres Siegtal. Der Denkmalbereich umfasst die Gemarkung der Orte Stadt Blankenberg und Bödingen. Durch die Satzung wird sichergestellt, dass die Kulturlandschaft in ihrer Einzigartigkeit erhalten bleibt.

Mit der Zeit entstand um Kloster und Kirche herum auch eine Siedlung, die man Bödingen nannte; aus dem „alten“ Bödingen wurde der heutige Ort Altenbödingen. Die neue Siedlung lag an einer Höhenstraße, die vor dem Bau der Eisenbahnlinien in den Flusstälern eine wichtige Verkehrsverbindung darstellte. Der Marien-Wallfahrtsort Bödingen im Sieg-Bergland, auch Marienbödingen genannt, ist inzwischen ein Stadtteil von Hennef, liegt auf 175m ü. NN westlich der Bröl-Mündung in die Sieg und hat knapp 380 Einwohner.

Das kleine Örtchen Bödingen lädt zum Spazierengehen ein.

Wie man sieht, sind wir es nicht alleine, die diesen ruhigen Ort, die Bödinger Landschaft und die saftigen Wiesen genießen.

Lassen wir uns überraschen, wohin mich der „Malerische Spaziergang“ in der 11. Etappe führen wird.

- Fortsetzung folgt -

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"Malerischer Spaziergang" nun auch als Buchband

Der "Malerische Spaziergang" durch die Stadt Hennef, der seit Januar 2015 von hennefer-inspirationen in regelmäßigen Etappen veröffentlicht wird, ist nun auch als Buchband erhältlich.

Dieses hochwertig gebundene Buch mit gemalten Bildern erzählt in besonderer Weise über die Stadt Hennef, ihre historischen Bauwerke und die Menschen, die diese Stadt lieben.

Mehr Infos: http://elis-kurse-de.webnode.com/stadt-hennef-malerischer-…/

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Etappe 9: Dreigiebelhaus

Nach einer kleinen Urlaubspause geht es nun weiter mit dem „Malerischen Spaziergang durch Hennef“

Mein Interesse gilt in dieser Etappe der Geschichte des Hennefer Ortsteil Warth.

Am Rande von Hennef, am Fuße des Käsberges, liegt die alte Siedlung Warth. Hier trafen von alters her in der Ortsmitte (nahe der ehemaligen Molkerei) die Frankfurter- und Bonner Straße zusammen.

Der Warther Berg, auf dem die heutige Kirche steht und auf dem früher unterhalb auch eine Kapelle stand, dürfte die „Warte“ gewesen sein, von der später die Siedlung ihren Namen übernahm und von der aus der wohl wichtigste Verkehrsknotenpunkt im Amte Blankenberg und die weite Bucht nach Westen überblickt werden konnte.

Im „Dreigiebelhaus“ gegenüber der Kirche unterhielten die Herren de Warth im 17. und 18. Jahrhundert als Thurn- und Taxis’sche Posthalter eine bedeutende Poststation der Linie Köln-Frankfurt.

Im Jahre 1616 wurde von dem Generaloberpostmeister Lamoral von Taxis auf der Strecke Köln-Frankfurt eine Botenpost eingerichtet, wobei sieben reitende Boten zur Beförderung von Briefen und kleinen Paketen in Dienst gestellt wurden. Der Weg führte über Wahn, Siegburg, Kaldauen, Warth, Uckerath, Weyerbusch, Dietkirchen (Lahn) und Königstein im Taunus. In Warth und Weyerbusch befanden sich Poststationen. Die Boten ritten aus Köln sonntags um 12.00 Uhr und mittwochs um 15.00 Uhr los und kamen in der nächsten Woche montags und donnerstags wieder an; brauchten also 8 Tage hin und zurück für eine Strecke von 20 Meilen (1 Meile = rd. 7,5 km). In den Poststationen wurden die Pferde gewechselt und Post ab- und aufgeladen. Die Poststation in Warth ist heute noch zu sehen:

Es ist das sogenannte „Dreigiebelhaus“ der Familie Wartenberg / Höfer am Ehrenmal. Um 1689 ging auch die Post nach Italien über Warth. 1703 richtete Taxis eine Personenpost von Köln nach Frankfurt ein, eine Fahrpost, die Personen und größere Pakete beförderten. Die Postkutschen fuhren montags um 6.00 Uhr in Köln ab und kamen nachmittags gegen 14.00 Uhr in Warth an. Abends gegen 18.30 Uhr wurde Weyerbusch erreicht, wo die Post über Nacht ruhte. Die Weiterfahrt erfolgte dienstags früh um 5.00 Uhr über Gilrath, Freilingen, Walmerode, Dietkirchen, Wirges und Königstein. Ankunft in Frankfurt mittwochs gegen 14.00 Uhr. Die Fahrt von Köln nach Warth kostete 2 Gulden, von Warth nach Frankfurt 8 Gulden. Jeder Fahrgast hatte 30 Pfund Gepäck frei. 1807 wurde auch eine Fahrpost von Düsseldorf nach Weyerbusch eingerichtet, wo man Anschluss nach Frankfurt hatte. 1816 übernahm das Generalpostamt Berlin das gesamte Postwesen, das im Laufe der Zeit dann die heutigen Ausmaße erreichte.

1689 war Werner de Warth (Nachfolger von Balthasar de Warth) Postmeister in der Warth und Schultheiß von Geistingen. In diesem Jahr fielen die Franzosen ins Rheinland ein und verwüsteten viele Orte. Werner de Warth musste sich – so berichtete er selbst an seine Behörde sechs Wochen lang verborgen halten, weil die Franzosen aus Bonn ihm nachsetzten. Zum Dank für seine „wundersame Errettung aus Gefahren“ ließ er 1690 eine Kapelle vor der Poststation Warth (heutiger Denkmalplatz) errichten und dem Hl. Johann von Nepomuk weihen.

Kapelle des Heiligen Johann von Nepomuk mit Dreigiebelhaus

Am 5. Dezember 1752 verstarb Ignatius Gottfried de Warth und wurde in der Geistinger Kirche beigesetzt. Er hatte keine männlichen Nachkommen, und der Familienname de Warth starb mit seinem Tode aus. Seine Tochter Anna Katharina heiratete am 4. Dezember 1751 Theodor Antonius Dahlbender, dem am 3. Dezember 1751 die Stelle des Postverwalters „auf der Warth“ übertragen worden war. Dahlbender erbte das de Warthsche Besitztum: Gutshof, Mühle und Kapelle. Bald danach kam Dahlbender als Postverwalter nach Köln, da etwa um 1755 die Poststation Warth aufgelöst und nach Uckerath verlegt wurde. Dahlbender verkaufte 1789 seinen Warther Besitz für 14.000 Thaler an die Familie Bennauer.

1907 wird die Kapelle „Zum Heiligen Johann von Nepomuk“ in Warth abgebrochen.

Auf dem 1932 entstandenen Platz, wo früher die Nepomuk-Kapelle stand, sind heute der Grundriss mit Pflastersteinen vollzogen worden, damit sie nicht in Vergessenheit gerät.

An Stelle des Gotteshauses wurde ein Mahnmal errichtet, das an die Soldaten erinnern soll, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallen sind

Dreigiebelhaus

Das denkmalgeschützte Dreigiebelhaus mit seiner historischen Geschichte ist der Stadt Hennef erhalten geblieben. Eine am 18. Februar 2013 angesetzte Zwangsversteigerung konnte abgewendet werden. Die Zukunft des 1622 erbauten Baudenkmals war damit gesichert.


Im Jahr 2001 wurde es aufwendig saniert. Neben vier Wohnungen mit einer Gesamtfläche von rund 400 Quadratmetern verfügt es über 322 Quadratmeter Gewerbefläche.

Heute befindet sich ein Restaurant im Gebäudekomplex.

Das historische Dreigiebelhaus ist ein unbedingtes Muss!

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Der "Malerische Spaziergang durch Hennef" als Kalender

Zu den bereits acht veröffentlichten Etappen gab es von den Lesern sehr viele positive Rückmeldung, für die wir uns recht herzlich bedanken und nach der Sommerpause geht Ende September der "Malerische Spaziergang" weiter.

Die vielen positiven Rückmeldungen führten dazu, dass der Entschluss entstand, den "Malerischen Spaziergang" in einen Wandkalender und Jahreskalender für das Jahr 2016 zur Verfügung zu stellen.

Ab sofort besteht die Möglichkeit, beide Kalender zu bestellen. Nähere Informationen hierzu findet ihr unter http://elis-kurse-de.webnode.com/jahreskalender-2016/

Wir wünschen Euch viel Spaß mit dem Kalender und freuen uns mit Euch gemeinsam die nächsten Etappen zu erleben.

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Etappe 8: Stadt Blankenberg

Mein „malerischer Spaziergang“  führt mich weiter in die einst kleinste Stadt im Herzogtum Berg.

Sie verlor allerdings 1806 ihre Stadtrechte. Am 1. April 1934 ging Blankenberg in die Gemeinde Geistingen über. Im gleichen Jahr wurde die Gemeinde Hennef gebildet und die Gemeinde Geistingen eingegliedert. 1953 wurde Blankenberg zu Stadt Blankenberg umbenannt.

Die Mittelalterstadt Blankenberg, hoch über der Sieg auf einem Felssporn gelegen, ist eines der beliebtesten Ausflugziele im Siegtal. Um 1180 errichteten die Grafen von Sayn eine Burg auf blankem Felsgestein, um die nördliche Grenze ihrer Besitzungen zu sichern.

Um diese Burg Blankenberg bildete sich bald eine Siedlung, der 1245 die Stadtrechte verliehen wurden.

Die alte Burg Blankenberg, auf dem Hardt 80m hoch über dem Flusstal gelegen, bildete eine der mächtigsten Befestigungsanlagen im westdeutschen Raum. Trotzdem konnten schwedische Truppen die Anlage während des Dreißigjährigen Krieges einnehmen und fast vollständig zerstören. Erhalten sind Reste des Palas, des Pfortenhauses und spärliche Überbleibsel einer Doppelkapelle. Auf der Südseite steht ein mächtiger Bastionsturm aus dem 15. Jahrhundert. Die Nordseite bewacht ein runder, etwa 15m hoher Bergfried.

Von der Burgruine hat man einen sehr guten Ausblick aufs Siegtal mit Hennef als nächstem großen Ort, die Höhenzüge Nutscheid im Bergischen Land und Leuscheid im Westerwald bis hinüber zum Siebengebirge am Rhein. Die Besichtigung der Ruine ist jedoch nur zu bestimmten Öffnungszeiten möglich. Im Winter ist der Zugang ganz gesperrt.

Unterhalb der Burgruine gruppieren sich die Häuser der ab dem 13. Jahrhundert angelegten Neustadt Blankenberg. Zusammen mit Burgruine, Vorburg und den Mauerresten der Altstadt bildet sie eines der besterhaltenen Beispiele einer mittelalterlichen Großburganlage im Rheinland.

Zentrum des Ortes ist der kastanienbestandene Marktplatz, der mit seinen hübschen Fachwerkhäusern ein sehenswertes Ensemble bildet. Kleine Gassen mit blumengeschmückten Häusern laden zu einem Spaziergang im mittelalterlichen Flair von Stadt Blankenberg ein. Besonders sehenswert ist das Runenhaus, ein aufwändiges Fachwerkhaus, in dem heute der Kindergarten "Die Zwergenburg" untergebracht ist.

Einmal jährlich, am Wochenende vor dem ersten Advent, findet in Stadt Blankenberg der Mittelaltermarkt statt. Eine bessere Kulisse können die Marketender wohl kaum finden. Seit 2002 finden sich Händler mit historischen Handwerksprodukten in Stadt Blankenberg ein. Was dabei von manchem Besucher vergessen wird: Zeitgleich ist Katharinen-Kirmes und die wird bereits seit 1248 regelmäßig im Schatten der Burgruine Blankenberg gefeiert.

An dieser Stelle möchte ich den Fotografen Dirk Munch erwähnen, dem es hervorragend gelungen ist, das mittelalterliche Spektakel fotografisch so beeindruckend einzufangen.

Zu dieser Reise zurück ins Mittelalter lädt auch in diesem Jahr vom 20. – 22. November Stadt Blankenberg ein. Bereits zum 13. Mal wird auf dem Marktplatz die Katharinen Kirmes in ihrer ursprünglichen Form gefeiert. Die besondere Atmosphäre auf dem urgemütlichen Markt mit Handwerkskunst, Händlern und Gauklern, Musikern und Barden, Bettelmönch und Badezuber, süßen und herzhaften Leckereien sowie ein buntes Programm werden die Besucher wieder in eine längst verloren geglaubte Zeit entführen.

Auf liebevolle und nette Weise lädt Stadt Blankenberg  seine Gäste zu einem Besuch in ihre gemütliche mittelalterliche Stadt ein:

Seyd willkommen an der Stätten,
hochwohlgeborene Damen, edle Herren und Ritter, holde Jungfern.

Seyd auch Ihr gegrüsset wackerer Wanderer.
Erweiset uns die Ehre Eures Besuches.

Uns deucht Ihr kommet von weit her gereist.
Wohl an, ruhet Euch ein wenig von Eurer langen Reise aus.

Wandelt durch unser schönes Städtchen und erfreuet Euch an des Ortes schöner Pracht.

Ziehet dann in Frieden weiter und tuet kund was Ihr herrliches gesehen.

Gehabet Euch wohl.

In diesem Sinne:  Auf nach Stadt Blankenberg! Der Besuch lohnt sich!

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Etappe 7: Geistinger Kirmes und Old- und Youngtimertreffen

Die Stadt Hennef hat stets was zu bieten. Zahlreiche Events locken Besucher auch im Monat Mai wieder in diese lebenshungrige Stadt. Da ist für jeden etwas dabei!

 

Altstadtkirmes in Geistingen

Als Geistingerin bin ich natürlich daran interessiert, was sich in diesem Ortsteil von Hennef abspielt. Und so begebe ich mich „malerisch“ in den Kirmesrummel.

Die traditionsreiche Altstadtkirmes ist zu einer gern besuchten Veranstaltung gewachsen.

„Im Jahre 1989 dümpelte die Geistinger Kirmes nur noch so vor sich hin!“, so schreibt Stadtecho Hennef in einem Bericht.

Niemand war mehr für die Ausrichtung verantwortlich, die noch verbliebenen Schausteller klagten über gravierende Einnahmeverluste. Und so versammelten sich die Vorstände des Männerge­sangverein, des FC, der Schmetterlinge, der Großen KG, der Klein­gärtnerverein und der Kirchenchor an einem runden Tisch und stellten ein imponierendes Festprogramm zusammen. Nach diesen po­sitiven Erfahrungen waren die Vereine bereit, die jährliche "Alt­stadtkirmes" auszurichten und fanden hierfür mit Gustl' Kipp ei­nen Schausteller mit viel Erfahrung und guten Beziehungen in der Ausrichtung solcher Veranstaltungen.

Seit zwei Jahren sind die Geistinger Vereine als "Förderverein Ortsring Geistingen e.V." zusammengeschlossen.

Ein neues Konzept sollte neuen Schwung geben. Bisher fand der Rummel im ältesten Ortsteil Hennefs stets im Oktober statt. Doch durch den in den vergangenen Jahren stetig sinkenden Zuspruch reifte beim Veranstalter „Ortsring Geistingen e.V." die Überzeugung, neue Anreize für die Besucher schaffen zu müssen. Wesentlicher Bestandteil des geänderten Konzepts ist die Verlegung des Termins in das Frühjahr. Die Organisatoren versprechen sich davon nicht nur, dem oft regnerischen Herbstwetter zu entgehen, sondern auch den lokalen Kirmesmarathon von September bis Oktober zu entzerren.

Bereits zum zweiten Mal nach der Neugestaltung des Festplatzes an der Stoßdorfer Straße organisierte der Förderverein Geistinger Ortsring e.V. die „ Geistinger Altstadtkirmes".
Mit einem bunten Mix aus Live-Musik und attraktiven Bühnenprogramm wurde den Besuchern vom 14. – 17. Mai wieder vier erlebnisreiche Tage beschert. Ein abwechslungsreiches Programm, das Groß und Klein, Singles und Familien beste Unterhaltung bieten konnte.

(Heinrich Schneider, einst Taxiunternehmer und begeisterter Feuerwehrmann, engagiert sich heute für hilfebedürftige Menschen und sammelt mit seiner Drehorgel Spenden für die Asbacher Tafel.

Links: Katharina Kirstges (Sitzungspräsidentin der Schmetterlinge).

Mitte: Reiner Leisen (Anwärter oder schon Festmitglied Geistinger Garde)

Rechts: Nicole Werthmann

Unter vielen anderen Programmpunkten präsentierte sich auch die Musikschule „Ready4Stage“

Erwähnenswert ist auch die Sängerin, Michelle Filingeri, die immer wieder mit ihrer Stimme begeistert.

Bereits im Jahr 2011 wurde sie im Rahmen einer Weihnachtsshow als Nachwuchssängerin vorgestellt. In der JaJa-Kneipe an der Sieg sang sie bei der Swingin´Christmas Veranstaltung der Bb-musicschool zu Gunsten des Kinderschutzbundes Hennef.

 

Das 8. Hennefer Old- und Youngtimer-Treffen (Marktplatz) fand am 31.05.2015 statt.

Natürlich habe ich eine Schwäche, für Altes. Nicht nur für historische Gebäude, sondern auch für Oldtimer. Diese Vorliebe verdanke ich wohl meinem Vater. Seine Leidenschaft galt allerdings eher Motorrädern, viele mit Beiwagen. In jungen Jahren selber Motocross-Rennen gefahren und viele Pokale gewonnen, hat er noch bis kurz vor seinem Tod an seinen Oldtimern restauriert und gebastelt. Das war seine Leidenschaft.

Da geht das Herz auf!  Ich glaube ganz sicher, dass es vielen am 31.05.2015 beim 8. Hennefer Old- und Youngtimer-Treffen ganz genauso ging.

Das Herz geht auf, wenn man diese wunderbaren alten Fahrzeuge bestaunen darf. Man sieht mit welcher liebevollen Hingabe ihre Besitzer die Oldtimer gepflegt und geputzt haben. Für Odtimer-Freunde ein wahrer Genuss!

 

- Fortsetzung folgt -

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Etappe 6: Schloss Allner

Schloss Allner und seine Geschichte

Selbstverständlich führt mein Spaziergang zum Schloss Allner.

Das Schloss liegt versteckt hinter hohen Mauern oberhalb des Siegufers. Durch ein Tor gelange ich zumindest bis zur Abgrenzung der Schlossanlage. Hier ist Schluss. Weiter komme ich nicht.

Schon damals haben sich die Schlossbesitzer mit diesen hohen Mauern, den schweren Eichentoren und einem Wachturm vor Eindringlingen schützen wollen. Heute schützen sich die Bewohner vor neugierigen Besuchern.

Die Dorfgemeinschaft Lauthausen schreibt die Geschichte zu Schloss Allner erfrischend spannend:

Allner‘ s Ortsgründung ist mehr oder weniger mit der Erbauung des Schlosses eng verknüpft.

Es ist ja auch eine logische Folge, dass, wo Burgen und Festen geschaffen wurden, auch Menschen angesiedelt waren oder wurden, die diese erbauten. Darüber hinaus brauchte jeder Feudalherr eine Streitschar, die den Schutz des Besitzers garantierte.

In der Pfarrchronik zu Much ist um das Jahr 1050 von einem "NEWES GOUT" (Neues Gut) die Rede, welches später als Freihof Markelsbach bezeichnet wird. Außer diesem werden unter Hugo von Wílsen, noch die Freihöfe Kreitzhof und Leuscherath genannt, dessen Enkel Karl vorgenannte Höfe unter seine Abhängigkeit brachte.

Aus diesen Höfen gingen drei Geschlechter hervor, die später unter Obermarkelsbach I, Obermarkelsbach II und Niedermarkelsbach hervortreten. Einer dieser Herren, wahrscheinlich Arnold v. Markelsbach ll, zog zu Anfang des 15. Jahrhunderts nach Blankenberg, wo er als Amtmann Markelsbach, genannt Alner, tätig war. Dieser soll auch das Schloss um 1400 gegründet haben.

Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts war der Rittersitz Allner Eigentum derer v. Markelsbach. Um 1560 kam das Schloss durch Heirat an Scheiffart von Merode.

Ein Außenseiter aus dem Geschlechte v. Merode soll an der oberen Sieg in den "Unruhigen Jahren" mit Vergnügen Raub und Plünderung betrieben haben. Durch das Schwert eines Rächers soll er später umgekommen sein. Maria Wilhelmina Margaretha, Tochter des Walram Ill., Scheiffart von Merode, heiratete 1694 Freiherr Daniel v. Spiess zu Büllesheim und Satzvey. Diese starb am 1. August 1727 verwitwet auf Schloss Allner.

Im Laufe der Jahre hatten sich Streitigkeiten zwischen Spiess zu Büllesheim einerseits, und Freiherr v. Hatzfeld andererseits um das Lehnsgut Merten gebildet. Infolgedessen kam es zu einem Prozess, der ein Jahrhundert überdauerte. Dann entschied das Reichskammergericht zu Wetzlar zu Gunsten deren v. Hatzfeld.

Die von Spiess zu Büllesfeld mussten die Herrschaft Merten abtreten. Um die hohen Prozesskosten zu decken, sahen sie sich gezwungen, Schloss Allner an den Grafen v. Hatzfeld zu verkaufen, dessen Erlös die Prozesskosten kaum deckten. Er verfiel dem Trunke und endete am Bettelstab.

Als Napoleon im Jahre 1806 unsere Lande bezwang, wurde der Besitzer des Schlosses, Franz Ludwig v. Hatzfeld, der als Soldat den Rang eines Generalleutnants bekleidete, von Napoleon wegen angeblicher Spionage verhaftet und zum Tode verurteilt. Seine Gemahlin fiel Napoleon zu Füssen und konnte so in letzter Minute ihren Gemahl vor der Vollstreckung des Urteils retten. Er erreichte ein hohes Alter und starb in Wien im Jahre 1827. Allner wurde durch die Franzosen (1792 - 1800) schwer betroffen, wovon die Bevölkerung die größte Last zu tragen hatte.

Das in verschiedenen Perioden gebaute Schloss, nebst seinen riesigen Schutzmauern, wurde aus Bruchsteinen erbaut.

Das Schloss hat vier Stockwerke, dessen Zugang durch eine Steintreppe gekrönt wird. Im 2. Weltkrieg wurde das Schloss durch Beschuss schwer beschädigt und in den Jahren 1945 - 48 notdürftig ausgebessert. Nachdem sich die Verhältnisse normalisiert hatten, entschloss sich der Besitzer, Herr Horstmann, es so wieder herstellen zu lassen, wie es nach dem Umbau 1875 gewesen war. 1955 waren die Arbeiten beendet. Inzwischen ließen sich die Besitzer in unmittelbarer Nähe des Schlosses ein Wohnhaus errichten und überließen das Schloss für eine Jahrespacht von 1, 00 DM der Karitas, die im Mittelbau ein Säuglingsheim errichtete. Das Innere des Schlosses besteht aus 37 Räumen, die sinnvoll für Personal, Säuglinge etc. umgestaltet wurden. Ca. 70 Säuglinge werden durchschnittlich betreut.

Der zum Schloss gehörende Grundbesitz umfasst z. Zt. 1750 Morgen Wald, 1500 Morgen Äcker und Wiesen.

Der Hauptzugang zum Schloss bildet ein großer Torbogen, den das Wappen derer von Merode krönt.

Der Schutz des Schlosses war am Zugang durch schwere Eichentore und ringsum durch wuchtige Mauern, in Verbindung mit einem Wachturm, gesichert. Von diesem Turm mag der Wächter mit Argusaugen das Land überspäht und bei Gefahr ins Horn geblasen, am Schlagbaum der Zöllner gestanden und seinen Obolus gefordert haben.

Schön, dass die Schlossanlage nach jahrelangem Leerstand, der mit Verwüstungen und Plünderungen auch der Inneneinrichtung einherging, und weiteren Besitzerwechseln 1984 von Franz Schilke erworben wurde. Auf dem weitläufigen Areal (Straßenname: "Im Schlosspark") außerhalb der Schlossmauern wurden Eigentumswohnungen errichtet. Das Haupthaus sowie mehrere Nebengebäude wurden in den 1986er Jahren ebenfalls zu zahlreichen Eigentumswohnungen umgebaut.

Die Schlossanlage selbst samt Schlossgarten und -park befindet sich versteckt hinter hohen Mauern und kann nicht besichtigt werden.

Immerhin kann ich einen Blick in den schönen Schlossgarten erhaschen.

Ich verstehe, dass hier keine Besucher erwünscht sind, doch alte Gemäuer machen mich grundsätzlich neugierig. Ich entdecke an einer Stelle an dieser ewiglangen hohen Mauer eine verwunschene Treppe, die hinter diese Mauer nach oben führt.

Klar muss ich da hoch!

Leider komme ich auch hier nicht weiter. Sie führt ins Nichts!

Ich verstehe, dass hier keine Besucher erwünscht sind, doch alte Gemäuer machen mich grundsätzlich neugierig. Ich entdecke an einer Stelle an dieser ewiglangen hohen Mauer eine verwunschene Treppe, die hinter diese Mauer nach oben führt.

Klar muss ich da hoch!

Leider komme ich auch hier nicht weiter. Sie führt ins Nichts!

-Fortsetzung folgt -

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Etappe 5: Die Chronos-Mauer

Mein Weg geht oft auch an der 24 Meter langen Chronos-Mauer vorbei. Hier muss ich einfach stehenbleiben. Ich betrachte mit großer Faszination das malerische Werk und die Motive. Sie sind alle aus einer früheren Zeit um ca. 1830. Von links nach rechts sehe ich die Villa Maria (heute Villa Reuther, zu der ich später auf meinem Spaziergang durch Hennef noch näher eingehen werde), das Kutscherhaus (Remise) und die Postkutsche, die damals von Hennef bis nach Köln fuhr. Die gemalten Wiesen und Felder prägten schon damals die Umgebung Hennefs. Der abgebildete Pflug wurde in der Landmaschinenfabrik von C. Reuther und Comp. hergestellt. Diese Fabrik befand sich damals in Hennef/Warth. Dann ist eine Balkenwaage und daran anschließend die Chronos-Waage (erste eichfähige, selbsttätige Waage der Welt) zu sehen. Der alte Feuerlöschturm und ein Teil der alten Chronos-Fabrik (heute Kronos-Aktivclub) bilden den Abschluss.

Am 16. Juni 2011 wurde die Open-Air-Werkstatt im Rahmen der Europawoche eröffnet,  unter dem Motto:

„Eine Mauer die verbindet, nicht trennt!“ .

Große Anerkennung verdient die Ideengeberin und Hennefer Künstlerin, Helga Dettlaff. Mit dieser Initiative sollten künstlerisch begabte Schülerinnen und Schüler gefördert und die vom Vandalismus durch Graffiti-Sprayer beschädigte Mauer verschönert werden.

Schüler aller Altersgruppen waren daran beteiligt. (Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Hanftal, GGS Gartenstraße sowie das Städtische Gymnasium und die Gesamtschule).

Unterstützt wurde Helga Dettlaff bei diesem Malprojekt von der Stadt Hennef und der Familie Reuther, Eigentümer der Mauer.

Fotografisch dokumentiert wurden die Fortschritte von dem in Hennef lebenden Künstler Peter Verlande, der das Projekt vom ersten bis zum letzten Tag begleitet hat.

Unter www.dasinternet.de/mauer kann man sich die chronologisch angelegte Entwicklung ansehen. Hier finde ich zu Peter Verlande. Beeindruckt von dieser Aktion, nehme ich Kontakt mit ihm auf und wir verabreden uns zu einem Treffen. Ich freue mich über diese Begegnung und höre mit großem Interesse, was er mir über den Anfang des Projekts und die Entwicklung erzählt.

Zunächst war es wohl schwierig, sagt er, Schulen zu finden, die sich an der Aktion beteiligen wollten. Doch schließlich konnte der Mauertraum von Helga Dettlaff in Erfüllung gehen. Als Vorlage dienten alte Stiche, Ölgemälde und Fotos, die Peter Verlande auf dem Computer aufgearbeitet hatte und für die Schüler und Schülerinnen als Vorlage deutlicher machen konnte. Er beobachtete bei den Schülern viele Talente, Begabung und diejenigen, die in dieser Aufgabe mehr und mehr aus sich herausgewachsen sind.

Über mehrere Monate durften die Hennefer Bürger nun die Entwicklung eines gigantischen Kunstwerkes beobachten. Eine unglaubliche Leistung für die Schülerinnen und Schüler, über einen so langen Zeitraum durchzuhalten und trotzdem bis zum Schluss nach ca. 140 Arbeitsstunden auf höchstem Niveau zu malen. Am 8.10.2011 wurde das Mauerprojekt erfolgreich beendet.

Die Künstlerin, Helga Dettlaff, schreibt in ihrem Bericht:

„Dieses Mauergemälde ist unter besonderen Bedingungen entstanden. Die Schüler und Schülerinnen haben bei Wind und Wetter, bei Hitze, Sturm und Regen gemalt und eine außerordentliche Geduld bewiesen! Sie kamen, wann immer sie Zeit hatten; freiwillig, meist neben ihren schulischen Verpflichtungen in ihrer Freizeit, an den Wochenenden und in den Ferien. Nach anfänglichem Respekt vor der Mauer und den Motiven siegte das „Tun“! Zu irgendeinem Zeitpunkt war die Mauer nicht mehr zu „groß“ und die Motive nicht mehr zu „klein“, erstes Zögern und erste Berührungsängste wandelten sich in kreatives Malen. Die Maltechnik entwickelte sich teilweise bis hin zur Perfektion. Der Anspruch der MalerInnen wuchs mit jeder Herausforderung. Sie können stolz auf das geschaffene Kunstwerk sein!“

Und deshalb finde ich, darf diese Aktion von 2011 nicht in Vergessenheit geraten. Dieses Kunstwerk ist ein Schmuckstück für die geschichtsträchtige Stadt Hennef und ein Hingucker für jeden Spaziergänger, der diesen Durchgang zur Sieg passiert.

 

- Fortsetzung folgt -

....und hier die Mauer abfotografiert.......

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Etappe 4: Spaziergang entlang der Sieg

Mit Bewunderung stehe ich am Siegufer und betrachte die interessante Baukunst der Architekten, die es verstanden haben, eine neue moderne Wohnanlage mit den historischen Chronos-Fabrikhallen harmonisch zu verbinden. Im Jahr 2001 war Fertigstellung. Hierfür bekam das Architekturbüro Peter Böhm den 1. Preis im Wettbewerb des Sternstadt-Forums 2003, die Anerkennung Deutscher Architekturpreis 2003 und die Auszeichnung BDA Preis Rhein-Sieg. 

Als im Januar 2002 das Hochwasser bis ans Ufer trat, sah es für die Bewohner der neuen Anlage sicher sehr bedrohlich, aber faszinierend zugleich aus.

Durch die Neubebauung des Chronos-Areals ist ein urbanes Quartier entstanden, das die Innenstadt mit dem Landschaftsschutzgebiet der Siegauen verbindet. Am Rand des geschützten Bereiches bietet die Promenade oberhalb der Sieg einen weiten Blick über die Flusslandschaft.

Immer wieder faszinieren mich die alten Geschichten und die Menschen, die für diese Stadt so Bedeutendes geleistet haben.

Hier setze ich meinen „malerischen“ Spaziergang fort.

Die Hennefer Industriepioniere Carl Reuther und Eduard Reisert erfanden die „Chronos-Waage“ als erste eichfähige selbsttätige Waage der Welt, die am 12.04.1883 durch die „Kaiserliche Normal-Aichungs-Kommission“ in Berlin zur Eichung zugelassen wurde. Durch diese Zulassung wurde zum ersten Mal einer automatischen Waage die gesetzliche Anerkennung als Wertmesser zuteil. Bis dahin hatte die Menschheit gut 10.000 Jahre lang Waren mit manuellen Waagen per Hand gewogen. Mit der Erfindung der „Chronos-Waage“ ging ein Zeitalter zu Ende und ein neues begann: das der automatischen Waagen, die seitdem den Geld- und Warenfluss mitbestimmen. Die Chronos-Waage erlaubte es erstmals, Schüttgüter vollautomatisch und messgenau zu wiegen. Die Geschichte der Waage ist eng mit der Geschichte Hennefs verbunden. So begann mit der Erfindung der industriell gefertigten Chronos-Waage auch der Aufstieg Hennefs als Industriestandort.

Mitte der 1980er-Jahre verlagerte die Maschinenbaufirma Chronos AG ihren Produktionsstandort aus der Innenstadt von Hennef  an den Stadtrand. Damit lag das 0,8 ha große Gelände brach. Anfang der 1990-erJahre führte man auf dem Gelände eine Altlastensanierung und den Rückbau der meisten Fabrikgebäude durch. Auf dem Grundstück sollte nach Vorstellungen der Stadt ein Einkaufszentrum entstehen. Das Projekt scheiterte jedoch an mangelnder Wirtschaftlichkeit. Schließlich beschloss der Stadtrat, das Gelände mit einem kleinteiligen Wohnquartier zu bebauen. Zu diesem Zweck wurde 1999 ein Realisierungswettbewerb ausgelobt, den das Architekturbüro Peter Böhm Architekten gewann.

Heute finden wir dort ein Fitnessstudio, attraktive Läden und ein Cafe. Bei Gilgens finde ich an der Straße ein sonniges Plätzchen, trinke Cappuccino und beobachte die Menschen und das geschäftige Treiben. Manche sind in Hast und Eile, andere schlendern an den schönen Geschäften in der Frankfurter Straße vorbei, einige kennen und begrüßen sich, tauschen sich aus, lachen miteinander und gehen weiter.

Das ist Hennef und das sind die Menschen, die hier leben!

Mein Weg führt weiter an der Sieg entlang. Ein wunderbarer Spaziergang und ich genieße die Natur am Wasser und doch so nah an der Stadt. Es begegnen mir freundliche Spaziergänger mit ihren Hunden, Jogger und Familien auf ihren Fahrrädern. Und oft teilen sie mit mir nicht nur den gleichen Weg, sondern auch das gleiche Ziel.

Eine Fußgängerhängebrücke führt mich direkt über die Sieg in den Ortsteil Weingartsgasse.

Diese Brücke wurde 2001 gebaut. Sie überspannt am nördlichen Stadtrand von Hennef mit einer Hauptöffnung von 70 m den Fluss. Ihre Pylone sind ca. 11 m hoch und ihre Nutzbreite beträgt 2,5 m.

Unmittelbar am Flussufer der Sieg stehen unter mächtigen Kastanien und einer Linde die Tische und Bänke der Gaststätte Sieglinde. Ein schmuckes Fachwerkhaus, das zum Einkehren einlädt.

Im Sommer kommen die Gäste in Scharen, mit Rädern, per Pedes oder mit dem Auto, um es sich in dem schönen Biergarten direkt an der Sieg inmitten des Naturschutzgebietes, gemütlich zu machen und bei einem leckeren Essen und einem frischgezapften Bier ein wenig die Seele baumeln zu lassen.

Michaela Küpper schreibt in ihrem Buch „Entlang der Sieg“:

Keine Frage, die Sieglinde ist eine Institution in Hennef, doch ihr Ruf eilt ihr bis nach Köln und weiter voraus. Die unmittelbar am Siegufer gelegene Gaststätte ist ein beliebtes Ausflugsziel für Motorradfahrer, Radfahrer und Kanuten. Direkt am Haus befindet sich eine Ein- und Ausstiegstelle für Boote, und in gemütlicher Biergartenatmosphäre endet hier so manche Tour. Das Haus ist betagt. Mehr als einhundert Jahre hat es garantiert auf dem Buckel, doch wie alt es auch ist, weiß niemand zu sagen, da sämtliche Unterlagen bei einem Brand des städtischen Bauamts vernichtet wurden. Was soll`s. Seinem schlichtem Charme tut das keinen Abbruch, wie die zahlreichen Gäste bezeugen. In der Sieglinde ist immer was los. Als sich 1996 die Gelegenheit bot, das Traditionsgasthaus zu übernehmen, griff Markus Rohloff zu….

Übrigens: Wer diese wunderbare Atmosphäre und die Stimmung im Gasthaus Sieglinde auch einmal erleben möchte, hat am 10. April, um 20.00 Uhr mit Double LP,  Gelegenheit dazu. Das Gasthaus Sieglinde führt regelmäßig Musikveranstaltungen durch. Teilweise im Saal und bei schönem Wetter im Biergarten. Auch am jährlichen Siegtal-Festival nimmt die Sieglinde mit musikalischen Veranstaltungen teil. Organisiert werden diese Veranstaltungen durch den Bluesclub Hennef bzw. Peter Otten (Chef des Bluesclubs). Homepage www.bluesclubhennef.de. Peter Otten ist auch Bandleader der Band Double-LP.

Die Gäste dürfen sich also an regelmäßigen Open-Air-Konzerten erfreuen. Zu diesen Anlässen finden sich hier oft mehrere hundert Menschen ein, und dann wird´s eng unter den Kastanienbäumen ……und der Linde.

Diese Linde hat wohl etwas mit dem Namen des Gasthauses zu tun. Denn der Name „Sieglinde“ hat sich aus der „Sieg“ und der „Linde“ zusammengefügt.

Diesen Spaziergang habe ich sehr genossen. Ich freue mich auf weitere Entdeckungen.

- Fortsetzung folgt -

 

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Etappe 3: Vom Hennefer Bahnhof zum Eierkuchen-Paradies

Natürlich komme ich bei meinem „malerischen“ Spaziergang durch Hennef an dem schönen historischen Bahnhofsgebäude vorbei.

Der Hennefer Bahnhof wurde 1859 von der Cöln-Mindener Eisenbahn mit der Siegstrecke eröffnet und diente dem Personen- und Güterverkehr.

Ich stehe vor den alten Brölbahn-Schienen, die heute noch im Boden vor dem Hennefer Bahnhof verankert sind und auf frühere Zeiten hinweisen.

Die Bröltalbahn war die erste Schmalspurbahn des öffentlichen Verkehrs in Deutschland und besaß eine Spurweite von 785 mm.

Ab 1863 verkehrte ab dem Bahnhofsvorplatz die Bröltalbahn nach Ruppichteroth, nach dem Ausbau des Netzes nach Waldbröl, Asbach (Westerwald) und Bonn-Beuel.

Sie war der Kern eines Eisenbahnunternehmens, welches ab 1925 auch Linienbusverkehr durchführte und ab 1956 Personenverkehr nur noch auf der Straße betrieb. Das Schienennetz der Bröltalbahn war zu Zeiten seiner größten Ausdehnung insgesamt 87,3 Kilometer lang und diente bis 1967 hauptsächlich dem Güterverkehr. Danach wurden auch die noch verbliebenen Gleisanlagen abgebaut.

Im ehemaligen Bröltalbahn-Lockschuppen in Asbach befindet sich seit dem Jahr 2000 ein Eisenbahnmuseum zur Bröltalbahn.

Ganz sicher einen Besuch wert!

Rhein-Sieg-Rundschau schreibt am 24.05.2005:

Stadt Hennef kann Bahnhof kaufen

HENNEF. Die Stadt kann das Hennefer Bahnhofsgebäude kaufen. Es ist eines von 69 im Land NRW, das die Deutsche Bahn AG anbietet. Die jeweiligen Kommunen haben das Vorkaufsrecht. Laut Pressemitteilung des Städtebau-Ministeriums hilft das Land, indem es unter anderem die Kosten für die Zwischenfinanzierung der Kredite übernimmt. Möglich sei aber auch, das Objekt an private Investoren weiterzureichen, wenn diese die angestrebten städtebaulichen Ziele mit verfolgten. In Hennef wäre dies zum einen der langfristig angelegte Innenstadtausbau unter Einbeziehung der Ladestraße und zum anderen die Verbindung zum Entwicklungsgebiet Hennef-Mitte auf der Südseite der Gleise, wo zurzeit ein neues Parkhaus gebaut wird und ein attraktiver Platz mit einem Büro- und Praxishaus am Ausgang des Fußgängertunnels geplant ist.

Mein erster Besuch nach meinem Umzug galt dem Hennefer Wirtshaus im alten Bahnhofsgebäude. Hier locken mich nicht nur die herzhaft-leckeren Speisen und das erfrischende Bier bei schönem Wetter im Biergarten. Es sind die Menschen hier, die Atmosphäre und die Stimmung!

Hier spüre ich: Ich bin wieder zu Hause im Rheinland!

 

Ebenfalls neugierig macht mich das historische Jugendstilgebäude in der Bahnhofstraße.

Hier geht mein „malerischer“ Spaziergang weiter.

Bei meinem ersten Besuch im Eierkuchen-Paradies fallen mir die Beschriftungen auf: Toiletten für Mädchen und Knaben, ein Wegweiser für den Pausenhof. Eine große Wandtafel, auf der aktuelle Essensangebote und Termine angeschrieben werden, und ein paar alte Schulbänke erinnern zweifelsohne an eine ehemalige Schule.

Ich recherchiere und stoße auf einen interessanten und amüsant geschriebenen Artikel.

Stadtecho Hennef, 25. März 2005

Klassentreffen der "Knollenschüler" nach 50 Jahren


(fp) Die Hennefer "Knollenscholl", das war in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Begriff. Junge Bauernsöhne und -töchter wurden hier in der "Landwirtschaftsschule" fachmännisch ausgebil­det und noch heute zeugen die Koch- und Backkünste der ehemaligen Knollenschülerinnen von der guten Qualität ihrer Ausbildung. Jetzt trafen sich etwa 30 "Ehemalige" des Schuljahrgangs 1955 zu einem Wiedersehen. Nach genau 50 Jahren war es ein Jubilä­ums-Treffen.
Die Organisatoren Agathe Olberts, Kläre Schilling, Günter Hennes und Mathias Schmitz hatten zur Begrüßung ihrer Mitschüler/-innen drei Alphornbläser bestellt. Im großen Innenhof der Quadenhofer Brennerei, wo sich die Ehemaligen trafen, hatten sich die Musiker postiert. Die Naturtöne ihrer Holztrompeten hallten in dem großen Hof wider und Hausherr Herbert Sünner, auch ein "Ehemali­ger", hieß seine früheren Mitschüler/-innen herzlich willkommen. Er lud sie ein, seine Brennerei kennen zu lernen, seine Schnäpse zu verkosten und seine Ausstellung historischer landwirtschaftli­cher Geräte zu besichtigen. In mehreren Gruppen ließen sie sich die Herstellung der vielen bekannten und hochprozentigen Quadenhofer Produkte erklären. Natürlich war auch ein Gang durch den Hofladen mit eingeplant, wo man sich gerne eine Flasche Wei­zenkorn oder die nostalgische Köstlichkeit "Kakao mit Nuss" ein­packen ließ.
Zwischendurch nutzte man jede freie Minute, um alte Erinnerungen auszutauschen. Die meisten Teilnehmer/-innen kamen aus dem frühe­ren Siegkreis und sind sich in den 5 Jahrzehnten immer wieder mal bei Treffen begegnet. Dennoch hörte man manchmal die Frage "Wer bist Du denn"? Einige hatten sich kaum verändert, wie ein Blick
auf alte Klassenbilder zeigte, die Günter Hennes mitgebracht hat­te, Die frische Luft in der Landwirtschaft hatte hier wohl ihre gute Wirkung gezeigt. Robert Weyers hat es am weitesten verschla­gen. Er war aus Kevelar (Niederrhein) angereist. Auch manche Be­gebenheit aus der Schulzeit kam zur Sprache. Oft wurde bei dem Treffen der Name von Dr. Wilhelm Schmitt erwähnt, dem damaligen Direktor der Schule. Klassenlehrer Dr. Röder unterrichtete das Fach Viehzucht, OLR Henschel war für Ackerbau zuständig und Dr. Rüther war damals der Fachmann für Schweinezucht. Außerdem wurden noch die Fächer Betriebswirtschaftslehre, Chemie, Landtechnik und natürlich Hauswirtschaftslehre unterrichtet.

Der "Quadenhof" war Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Gutshof mit Ackerbau, Viehzucht und der angeschlossenen Brennerei. Die Landwirtschaftsschule nutzte den Betrieb im benachbarten Stoßdorf für praktischen Unterricht an Landmaschinen und im Kuhstall. Or­ganisator Mathias Schmitz: "Eines Tages war ein Melk-Wettbewerb angesagt. Meine Kuh aber spielte nicht mit. Als der Eimer fast voll war, hat sie ihn mit einem Tritt eines Hinterbeins einfach umgestoßen. Damit war ich aus dem Rennen." Josef Müller erinnerte sich noch an die vielen Raufereien in der Klasse. Bei einer der Rangeleien ging eine Scheibe des Chemieschranks zu Bruch. Ein Glaser musste sie instand setzen und Josef Müller sollte die Rechnung aus der eigenen Tasche bezahlen. Doch als eine Woche später einem anderen ("Prominenten") das gleiche Malheur passierte, "durfte" die ganze Klasse den Schaden ersetzen. Als sich Jo­sef Müller wehrte, wurde er von der Schule "geschmissen". Er durfte allerdings später wieder kommen. Von einer Gasexplosion wusste Helmut Mohr noch zu erzählen. In den kalten Wintertagen haben die Schüler die Kakaoflaschen mit einer Gasflamme ange­wärmt. Offensichtlich war aber die Gasleitung undicht. Als ein Mitschüler (trotz Verbotes) mit einer brennenden Zigarette den Raum betrat, gab es eine fürchterliche Explosion, bei der auch einige Scheiben zu Bruch gingen. Gott sei Dank kam niemand der Schüler/-innen zu Schaden. In einem Zeitungsbericht aus dem Jahr 1955 steht eine Aussage von Oberlandwirtschaftsrat Dr. Schmitt, wonach "die Mädchen der Landwirtschaftsschule besonders reizend und charmant seien."
Deshalb habe er die jungen Damen auch nicht mit zur Tagung der Waldbauern gebracht, weil eben die vollzählig erschienenen Schü­ler der Landwirtschaftsschule nicht durch ihre reizenden Kolle­ginnen von den zur Diskussion stehenden Fachfragen abgelenkt werden sollten.
Der Besichtigung des Quadenhofs schloss sich ein bunter Abend in der "Dorfschänke" von Stoßdorf an. Hier begrüßte Klassenkamerad Mathias Schmitz die Ehemaligen und sprach über die traurige Ent­wicklung der deutschen Landwirtschaft in den letzten Jahren. "In den vergangenen 5 Jahrzehnten gab es riesige Veränderungen. Der ehemals hohe Stellenwert der Landwirtschaft ist Schnee von gestern", meinte er.

 

- Fortsetzung folgt -

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Etappe 2: Erlebnis Karneval

Mein „malerischer Spaziergang“ durch Hennef  geht weiter. Und diesmal sehe ich die Menschen im Vordergrund. Es sind die Narren und Jecken, die die Stadt in der Karnevalszeit in einen Ausnahmezustand versetzen. Sie machen Hennef in diesen Zeiten lebendig, fröhlich und bunt. Und ist man mittendrin, fühlt es sich an, als seien alle zusammen eine große Familie. Die Stimmung ist unglaublich und jeden reißt es mit.   

Hennef ist eine Karnevalshochburg im Rheinland. Im gesamten Stadtgebiet verteilt gibt es 27 Karnevalsvereine. Insgesamt finden 7 Karnevalsumzüge statt. Der größte im Zentralort am Rosenmontag.

Organisiert wird der größte Teil der Karnevalsveranstaltungen im Einzelnen durch die fünf großen Gesellschaften, die sich im Komitee Hennefer Karneval e.V.   zusammengeschlossen haben: Erste Hennefer Karnevals-Gesellschaft von 1902 e. V.,  Große Geistinger Karnevalsgesellschaft 1897 e. V. , Quer durch de Waat e. V., Fidele Flotte Dondorf, und 1. Hennefer Stadtsoldaten vun 1983 e. V..

1. Hennefer Stadtsoldaten.

Es begann im Januar 1983 mit drei Freunden, die sich im Kölner Offenbachtheater historische französische Uniformen geliehen und sich als Stadtsoldaten kostümiert hatten. Daraus wurde eine Idee geboren und der Traum sollte wahr werden. Es folgte der erste öffentliche  Auftritt der 1. Hennefer Stadtsoldaten. Es wurden alle Uniformen, die im Offenbachtheater noch zu haben waren, geliehen und weitere Elferratsmitglieder rekrutiert.

Am 25.08.1983 wurde die erste ‚konstituierende Versammlung’ abgehalten. Man einigte sich am Schluss auf den heute bekannten Namen: 1. Hennefer Stadtsoldaten vun 1983.

Am 14.1.1984 fand dann die erste offizielle Veranstaltung mit Einkleidung und Vereidigung der neuen Stadtsoldaten in der Winterscheider Mühle statt.

Beeindruckt hat mich dieser kleine Stadtsoldat. Meine Pinsel haben sich so sehr mit ihm beschäftigt, dass ich das Gefühl habe, ihn zu kennen. Ich weiß nicht, was in diesem kleinen Köpfchen vorgeht, aber ich sehe in seinem Blick Faszination und Begeisterung.

1. Hennefer Stadtsoldaten vun 1983 e.V. muss sich keine Sorgen um seinen Nachwuchs machen. Davon bin ich fest überzeugt.

 

Die Geschichte des Tanzmariechen!

Die Geschichte der Tanzmariechen reicht weit in die Vergangenheit zurück. Die Marketenderinnen, die die Landsknechte und Soldaten mit allerlei Waren und "Dienstleistungen" versorgten und auch für sie tanzten, wurden allgemein die "Mariechen" gerufen. Der Name wurde zum Sammelbegriff für alle Mädchen, die Mitglied einer Tanzgruppe sind. Wirkliche Mariechen sind allerdings nur die Tänzerinnen der Funken. Die Garden haben eine Regimentstochter oder Marketenderin. Die Mariechen sind eine Persiflage auf die Marketenderinnen, die früher den Soldaten auch Schnaps verkauften.

Darum tragen die „Mariechen“ auch das Fässchen am Gürtel.

Die Entstehung der Korps und Mariechentänze und der Traum eines jeden Mädchens: Einmal Mariechen sein!

Tanzen ist ein Ausdruck der Freude und darum gehört das Tanzen auch seit eh und je zum Karneval.

Die Formen des Tanzens haben sich jedoch im Laufe der Zeit gewaltig verändert.

Zwischen dem anfänglichen "erdverbundenen" Tanz bis zum heutigen "fliegenden Mariechen" liegt viel Karnevalsgeschichte.

Bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts kannte man das Funkemariechen noch nicht. 
Heute ist "Mariechen" zu einem Sammelbegriff geworden. Landläufig wird jedes Mädchen, das als Hauptdarstellerin einer Karnevalstanzgruppe agiert "Mariechen" gerufen.

Streng genommen haben nur die Korpsgesellschaften ein Mariechen. Die Garden haben eine Regimentstochter.

Die Entwicklung vom Exerzieren über den Korpstanz zum heutigen Mariechentanz umfasst 170 Jahre Karneval. 1823 wurde der Karneval, dessen Niveau stark gesunken war, neu organisiert. Im gleichen Jahr traten die Roten Funken als Persiflage auf die ehemaligen Stadtsoldaten in den Karneval. Sie waren damals noch eine lose Gruppe, die sich nur traf, um den Maskenzug mitzumachen.

Zu der Persiflage auf die Stadtsoldaten im Kölner Karneval gesellte sich die Persiflage auf die Marketenderin. Vom Maskenzug 1824 wird uns berichtet, dass dem Anführer des Zuges eine Ehrengarde zu Fuß, bestehend aus den Roten Funken, folgte. Daran schloss sich ein berittener Marketen-der-Weiber-Chor an, der damals selbstverständlich von Männern dargestellt wurde.


Da die Funken anfangs noch nicht gesellschaftlich organisiert waren, gab es auch noch keinen Funkentanz. In den ersten 50 Jahren ihres Bestehens trafen sie sich nur zu Exerzierübungen, zur Vorbereitung auf den Rosenmontagszug. Erst 1869 wurde aus den Roten Funken eine Karnevalsgesellschaft und 1880 bildeten sie mit Wibbeln und Stippeföttchen einen Programmpunkt auf den eigenen Sitzungen. Die Funken folgten dabei keinen festgelegten Tanzschritten, sondern nur den eigenen Einfällen.


1870 traten die Blauen Funken in den Karneval. Sie hatten sich von den Roten Funken getrennt und bildeten nun ein berittenes Korps. Mit ihnen hielt ein patriotischer Trend Einzug in den Karneval. Zu dieser Zeit wurde in den Funkenliedern die Germania besungen, von einem Mariechen war noch keine Rede.  

Ende des 19. Jahrhunderts entstand dann der Funkentanz der Roten Funken.

Diese Idee wurde von den Funken aufgegriffen. Von da an ging dem allgemeinen Funkentanz meist ein kleiner "Mariechentanz" voraus. Man nannte es damals "Funkentanz mit Einlage". Diese Einlage, die von einem Mann in Frauenkleidern getanzt wurde, umfasste die ersten acht Takte des Funkentanzes. Da die Kleider des "Mariechens" bodenlang und schwer waren, waren die Tanzschritte zwangsläufig einfach und behutsam.

Die Ehrengarde, die 1902 gegründet wurde, war anfangs ausschließlich die Begleitgarde von Bauer und Jungfrau und wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg zu einer Karnevalsgesellschaft. In dieser Zeit entstand auch das erste Tanzpaar der Ehrengarde. Sie tanzte damals noch keinen Korpstanz. Bei ihr tanzten nur Mariechen und Tanzoffizier, während das Korps den Hintergrund bildete. Der Tanz, der, nicht zuletzt wegen des weiblichen Mariechens, allgemeines Aufsehen erregte, wurde von dem Ballettmeister Alexey Laiserowicz einstudiert.

Die Mariechenrolle wurde jedoch schnell wieder von einem Mann übernommen, bis sie 1938 endgültig auf eine Frau überging. 
Dass in den 30er Jahren Frauen die Mariechenrolle übernahmen, hatte noch nichts mit Emanzipation zu tun. Es geschah unter dem Druck der NSDAP, die darauf bestand, dass Frauenrollen im Kölner Karneval auch von Frauen dargestellt wurden.

Die Aktiven des Karnevals waren damals davon überzeugt, dass diese Rolle, die im Schwierigkeitsgrad weit von dem entfernt war, was ein Mariechen heute leistet, zu anstrengend wäre für eine Frau, und dass die Witze auf den Veranstaltungen nicht für Frauenohren geeignet wären.

Man hatte sich gewaltig getäuscht, die Frauen trugen weder physischen noch psychischen Schaden davon. Im Gegenteil, das Publikum war begeistert von den wirklichen Mariechen, denn sie tanzten mit Ausstrahlung und tänzerischem Können die Männer in den Hintergrund.

Die Präsidenten führten dann auch gleich eine Neuerung ein, sie "bützten" das Mariechen, und so wollte nach dem Zweiten Weltkrieg niemand mehr zu den alten Formen zurückkehren.
Die ersten Tänze mit weiblichen Mariechen waren gegen die heutigen Tänze noch recht gemütlich.

Eine entscheidende Änderung brachte gegen Ende der 50er Jahre der Ballettmeister Peter Schnitzler in die Tänze. Die Akrobatik eroberte die Karnevalsbühnen. Diese Entwicklung war nicht mehr zu bremsen. Ob die manchmal für den Zuschauer beängstigenden und halsbrecherisch anmutenden Figuren und Würfe, wie sie von manchen Tanzgruppen gezeigt werden, notwendig sind, ist nicht ganz unumstritten.  

Die Korpsgesellschaften hatten bald die Grenzen ihrer Möglichkeiten erreicht, während die übrigen Tanzgruppen immer noch versuchen, sich gegenseitig an Leistung zu überbieten.
Was in den Tanzkorps und Tanzgruppen heute aus Spaß an d'r Freud und Liebe zum Karneval geleistet wird, kann sich ein Außenstehender schwer vorstellen. Das ganze Jahr wird intensiv trainiert, oft zwei- bis dreimal pro Woche.

In der Session sind die Jungen und Mädchen jeden Abend unterwegs, tanzen am Wochenende oft auf sechs bis acht Veranstaltungen pro Abend. Das ertanzte Geld wird ausgegeben für Ballettlehrer, Musik, Kostüme und Busfahrten zu den Auftritten. Die Tanzkorps und Tanzgruppen sind noch wirkliche Idealisten auf der Karnevalsbühne.

Dieses Mädchen beeindruckt mich mit ihrer Ausstrahlung.

Sie scheint sich ihrer tänzerischen Aufgabe als Mariechen sehr bewusst. Ich lerne aus der Geschichte, dass dem Tanzmariechen über das ganze Jahr viel Freizeit und hartes Training abverlangt wird. Jede Mutter kennt den Spagat zwischen Schule, lernen, Hobbys und den Leidenschaften ihrer Kinder. Wie schön, wenn alles sich vereinbaren lässt und der Nachwuchs nicht ausbleibt. Was wäre Karneval ohne Tanzmariechen?

Kaum zu glauben!

Die Vorläufer des Karnevals wurden bereits vor 5000 Jahren in Mesopotamien gefeiert, im Land mit den ersten urbanen Kulturen. Eine altbabylonische Inschrift aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. gibt Kunde davon, dass unter dem Priesterkönig Gudea ein siebentägiges Fest gefeiert wurde und zwar nach Neujahr als symbolische Hochzeit eines Gottes. Die Inschrift besagt: „Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen. Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Slave an seines Herrn Seite. Die Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet.“ Hier wird zum ersten Mal das Gleichheitsprinzip bei ausgelassenen Festen praktiziert und dies ist bis heute ein charakteristisches Merkmal des Karnevals.

Am 5. März 1341 wird das Wort „Fastelovend“ im so genannten Eidbuch der Stadt Köln mit der Bemerkung erwähnt, dass der Rat kein Geld dafür mehr bewilligen darf – trotz der früher üblichen Zuschusszahlung an die „Richerzeche“, jener Gruppe der wohlhabenden Bürger, die später Patrizier genannt wurden: „Aber der Rat soll zu Fastnacht keiner Gesellschaft Zuschüsse aus dem städtischen Vermögen gewähren.“ Am 26. Oktober 1353 wurde verdeutlicht, dass der Erzbischof Wilhelm von Gennep den Klerikern und Ordensleuten verbot, Bier und Wein zu verkaufen oder auszuschenken; das bewies, dass offensichtlich zu Karneval ein großes Interesse an alkoholischen Getränken bestand. Im Juni 1369 wurde das Verbot im Rahmen eines Kompromisses wieder aufgehoben. Zum 1. Juli 1412 trat ein Verbot des Kölner Rats, Spiele und Tänze an geheimen Orten und in Zunfthäusern ohne Wissen und Willen der Zünfte abzuhalten, in Kraft. 1422 taucht erstmals eine Erwähnung des Kölner Bauern als Schildhalter des Reichs in einem Gedicht auf. 1425 erscheint der Bauer dann auch erstmals in einem Rosenmontagszug.

Am 9. Februar 1609 wurden zum wiederholten Male in Köln das Karnevalsfest und die „Mummerei“ verboten, um die öffentliche Ordnung zu wahren. Oft artete es neben dem üblichen Trommeln und Trompeten sogar in Exzessen aus – auch durch Träger geistlicher Kleidung. 1610 ließ man die Handwerksgesellen in ihrem Mummenschanz dann wieder gewähren, 1640 wurden vom Volk und der niederen Geistlichkeit sogar „Narrenbischöfe“ gekürt. Am 7. Februar 1657 erging erneut das Ratsverbot zur „Mummerei“ in der Karnevalszeit. 1660 wurde eine innerstädtische Schutztruppe aufgebaut, die man Funken nannte. Das war wohl die Geburtsstunde der Kölner Funken. Trotz Vermummungsverbot wurde 1699 ein Stadtsoldat durch Karnevalisten erstochen.

Die Reformation stellte die vorösterliche Fastenzeit in Frage. Die Fastnacht verlor damit ihren Sinn. In protestantischen Gegenden gerieten viele Bräuche zum Teil wieder in Vergessenheit.

Am Donnerstag vor Karneval tanzten und sprangen im Februar 1729 die Nonnen im Kölner Kloster St. Mauritius in weltlicher Verkleidung durch die Hallen. Das war vermutlich die erste Weiberfastnacht. 1733 wollten die Jesuiten die Auswüchse zur Karnevalszeit durch spezielle Fastnachtsspiele überwinden. Am 7. Februar 1779 wurden Maskeraden und Mummerei in Köln erneut verboten, diesmal jedoch wegen der Kriegsgefahr als potenzieller Gefahrenquelle.

Während in den Städten vermehrt Handwerkzünfte und dort insbesondere die jungen Gesellen die Fastnacht ausrichteten, übernahm im frühen 19. Jahrhundert insbesondere im rheinischen Raum das Bürgertum die Festveranstaltung, da Zünfte in der Folge der Französichen Revolution und dem Einmarsch von französischen Truppen unter Napoleon Bonaparte an Bedeutung verloren oder sogar aufgelöst wurden. Die französischen Besatzer untersagten in Köln die Fastnacht am 12. Februar 1795. Im Jahr 1804 war Karneval zwar wieder erlaubt, wurde jedoch als rüpelhaft angesehen und vielfach beklagt. Zu diesem Zeitpunkt tauchte – wohl nicht erstmals – der Ruf „Kölle Alaaf“ auf, und zwar als Toast-Ruf für den späteren König Friedrich Wilhelm IV, von Preußen während seines Besuches in Köln im Jahre 1804. Der kölnfreundliche König erinnerte sich später bei seinem erneuten Besuch 1848 anlässlich des Beginns des Weiterbaus am Kölner Dom daran und rief zum Schluss seiner Ansprache auch „Alaaf“.

Verbreitet bezieht man den Karneval in erster Linie auf den rheinischen Karneval im Raum Köln, Bonn, Aachen und Düsseldorf. Eine Rolle spielen hier der Narr, der Lokalpatriotismus und die Verhöhnung der jeweiligen Machthaber seit Beginn des 19. Jahrhunderts. In Deutschland ist der Begriff Karneval erstmals Ende des 17. Jahrhunderts, im Rheinland erstmals im Jahr 1728 nachweisbar. In den Kölner Stadtakten taucht „Carneval“ erstmals um 1780 auf.

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. In der Nacht zu Aschermittwoch um Punkt Mitternacht endet der Karneval.

Kein Grund zur Traurigkeit! Denn alle Narren und Jecken wissen: Karneval wird auch weit in die folgenden Jahren gefeiert! Genauso bunt und fröhlich! Genauso ausgelassen!

Dreimal Hennef „Alaaf“ !!!

Hier sehen wir unseren Bürgermeister der Stadt Hennef, Klaus Pipke, (Mitte) auf dem Karnevalswagen der KG Quer durch de Waat, aus dem vergangenen Jahr, unter dem Motto „Rumpelstilzchen“. Jedes Jahr wechselt die KG ihr Motto. Schon seit drei Jahren fährt Bürgermeister Klaus Pipke mit auf den Wagen der KG Quer durch de Waat. Erstmalig war dies, als die KG vor drei Jahren das Hennefer Prinzenpaar Prinz Andreas I. Seitz und Prinzessin Sabine I. Seitz geb. Nümm, gestellt hat.

Auch in diesem Jahr dürfen wir ihn auf dem Balkon des Rathauses begrüßen, bevor er dann in den Wagen mit einsteigt und die Fröhlichkeit der Menschen teilt, die diese Stadt und den Karneval lieben.

Ich freue mich bei meinem „malerischen Spaziergang“ durch Hennef auf neue Begegnungen. Menschen wie Häuser; alle haben etwas zu erzählen.

 

- Fortsetzung folgt -

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Etappe 1: Vom Kloster Geistingen über den Kurpark zum alten Rathaus

Seit genau zwei Jahren lebe ich nun in Hennef und bewundere die vielen Schönheiten, die diese Stadt zu bieten hat. Wie kann ich als Künstlerin anders, als die Stadt Hennef malerisch" zu sehen.

Der älteste bekannte Teil von Hennef ist der Stadtteil Geistingen, er wird bereits 885 urkundlich genannt.

Welch ein großartiges Gefühl, unmittelbar im Klosterpark zu wohnen. Jeden Morgen sehe ich das unglaublich schöne alte Anwesen, deren Wände ich gerne sprechen lassen würde, aus alten Zeiten.

Genau hier beginnt mein Spaziergang.

Ich will länger hier verweilen, möchte mehr über die Geschichte des Geistinger Klosters erfahren.

1902 wurde das Kloster als Ordensseminar und Philosophisch-Theologische Hochschule zur Ausbildung der Priesterkandidaten der Kölner Provinz der Redemptoristen gegründet.

Übrigens: Am Ursprung der Kongregation der Redemptoristen steht der heilige Alfons Maria von Liguori. Er wurde am 27. September 1696 in Marianella nahe Neapel geboren.

Daher kommt der Straßenname, die Straße, die mich zu meiner Wohnung führt. Alfons-von-Liguori-Straße.

1903 wurde das Kloster Geistingen eingeweiht, das auf einem 14.500 qm großen Anwesen in Geistingen lag. 1941 beschlagnahmte das NS-Regime das Kloster und vertrieb seine Einwohner. Stattdessen wurden Ordensschwestern, Erzieherinnen und Waisenkinder des Elisabeth-Breuer-Stiftes in Köln-Mülheim einquartiert. Das war den Alliierten bekannt. So wurde das Kloster vor einer Bombardierung bewahrt.

Welch ein Glück für die Stadt Hennef. Ein wundervolles historisches Gebäude, deren Wände uns noch etwas erzählen können.

Nach 1945 wurden die Lehrveranstaltungen wieder aufgenommen. Das Kloster Geistingen wurde wegen seiner sehr guten Bibliothek und der hohen Lehrqualität u.a. vom Bonner Theologieprofessor Joseph Ratzinger dem späteren Papst Benedikt XVI. regelmäßig besucht.

1983 erfolgte die staatliche Anerkennung als Hochschule, was dem Kloster Geistingen aber nicht mehr half. Die Studentenzahlen sanken beständig und 1996 musste der Lehrbetrieb eingestellt und 2006 das Kloster geschlossen werden. Das unter Denkmalschutz stehende Klostergebäude wurde im Innenbereich fachgerecht restauriert und in über fünfzig Eigentumswohnungen umgebaut. Der frühere Kirchenraum wird für Events genutzt.

Für viele Hennefer immer wieder ein wunderbares Erlebnis, diese Veranstaltungen zu besuchen.

Mein malerischer Spaziergang geht weiter durch den wunderschönen Hennefer Kurpark. Ich setze mich auf eine Bank und genieße die himmlische Ruhe und die Sonne, die durch die Bäume ihre Schatten wirft. In Gedanken sind meine Pinsel schon aktiv und wollen genau diese Stimmung einfangen.

Hier hatte Geistingen einmal ein Freibad. Das befand sich an der Stelle, wo heute der Kinderspielplatz ist. Bevor es dorthin gebaut wurde, war es jedoch an einer anderen Stelle geplant und zwar dort, wo heute die Tennisplätze von Blau- Weiß in der Dürresbachstr. sind. Die Sorge der Klosterleitung um Ablenkung ihres Nachwuchses durch in Augenscheinnahme weiblicher Badegäste vor ihren Mauern führte zur Umplanung der Badeanstalt in den Kurpark.

Anfang der 70iger Jahre wurde das Freibad eingeebnet, weil sich die Kurgäste über den Lärm beschwerten.

Heute dürfen wir den Hennefer Kurpark mit Wildgehege und einer Teichanlage erleben und genießen, der an die Tradition von Hennef als Kneippkurort erinnert.

Als ich vor zwei Jahren hier nach Hennef kam, habe ich mich zwangsläufig beim Rathaus anmelden müssen.

Hier geht mein malerischer Spaziergang weiter. Meine Faszination gilt diesem wunderschönen alten Gebäude. Ich möchte mehr darüber erfahren.

Dieses Gebäude in seiner Schönheit verdanken wir wohl Wilhelm Reuther, der Sohn von Carl Reuther, dem Erfinder der Chronos-Waage. Er klagte im August 1910 in einem Schreiben an die Bürgermeisterei-Vertretung, der bestehende Verwaltungsbau entspreche nicht den Vorstellungen von einem dem Ansehen unserer Gemeinde würdigen und den Bedürfnissen einer so stark wachsenden und kräftig emporblühenden Bürgermeisterei entsprechenden Bürgermeisteramt". Zwei Monate später hatte die Bürgermeisterei-Vertretung den Bau beschlossen, im Januar 1911 den Kauf eines Grundstückes an der Frankfurter Straße. Im Mai 1911 setzte die Vertretung eine Rathauskommission ein und nahm eine Kredit in Höhe von 115.000 Mark auf, um Grunderwerb, Bau und Einrichtung zu finanzieren. Architekt war Heinrich Kiefer aus Gummersbach, dem auch die Bauleitung oblag. Er verpflichtete sich im Juni 1911 vertraglich, das Gebäude bis zum 1. August 1912 schlüsselfertig zu übergeben. Er erfüllte den Vertrag nicht nur pünktlich, sondern blieb auch um genau 2.737 Mark unter dem Kostenvoranschlag von 83.090 Mark.

Mein malerischer Spaziergang geht weiter! Meine Pinsel sind schon ganz unruhig!

Es gibt in Hennef noch viel zu entdecken und zu erkunden.

Ihr dürft gespannt sein!

- Fortsetzung folgt -

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Text Einleitung: Frank Specht

Text und Gemälde: Elisabeth Schneider

 

Quellnachweise:

St. Michaels Forum, GPS, Stadt Hennef

Deutsches Fastnachtmuseum

Wikipedia

Rhein-Sieg-Rundschau

VVV - Verkehrs- und Verschönerungsverein Hennef e.V.

Stadtecho Hennef

Architekturbüro Böhm, Köln

Stadt Hennef

Buchautorin Michaela Küpper (Entlang der Sieg)

Aktionsbericht der Initiatorin und Künstlerin, Helga Dettlaff, Fotograf, Peter Verlande

Dorfgemeinschaft Hennef-Lauthausen

Heinz Gerd Balensiefen

vrwision

GPS Wandertouren/GPS.ich-geh-wandern.de

Stadt Blankenberg

huv-heisterschoss.de

Hennef-Lauthausen.de

Buchautor Prof. Dr. Helmut Fischer „Hennef an der Sieg“

General-Anzeiger

vvv heimatverein

rechts: Elisabeth Schneider


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