„wick on breet der beste Fastelovend fiere“

100 Jahre Geistinger Schmetterlinge

 

Das Jahr 1922 war geprägt von den Nachwehen des 1. Weltkrieges und wirtschaftlichen und politischen Krisen. In diesen schwierigen Zeiten rückten die Menschen näher zusammen und man bildete regionale Zusammenschlüsse unterschiedlichster Interessen. So fanden sich in Geistingen einige Männer zusammen, um den „Geistinger Freundschaftsbund“ zu gründen.

Hieraus sollte später dann die Damen-Karnevalsgesellschaft „Geistinger Schmetterlinge“ entstehen. Auch wenn die Gründung durch Männer erfolgte, waren deren Ehefrauen von Anfang an dabei und übernahmen entscheidende Tätigkeiten im Vereinsleben des Freundschaftsbundes. So waren sie maßgeblich an der kreativen Gestaltung von karnevalistischen Aktivitäten beteiligt.

Offiziell übernahmen die Frauen nach dem 2. Weltkrieg dann auch das Zepter. Erstpräsidentin Katharina Becker konnte dabei auf eine Vielzahl weiblicher Unterstützerinnen aus Geistingen zurückgreifen. Die karnevalistischen Aktivitäten des Vereins prägten das gesellschaftliche Leben in Geistingen und das karnevalistische Geschehen im Stadtgebiet Hennef.

Der Sieg-Rheinische Hof diente dabei als Domizil der Karnevalistinnen. Die damalige Wirtin, Käthe Sauer sorgte dabei auch für einen reibungslosen Ablauf der Weiberfastnachtsitzungen, die in den Räumlichkeiten der Gaststätte durchgeführt wurden.

Nachdem sich die Damen-KG einige Jahre den Namen „Unter einem Hut“ gaben, kam es 1969 zu einer neuen Namensgebung. Ab nun lautete der Vereinsname „Damenkarnevalsgesellschaft Geistinger Schmetterlinge“.

Irgendwann reichte dann der Platz im Sieg-Rheinischen Hof für die Durchführung der Weiberfastnachtsitzung nicht mehr aus und man zog um in die Aula der Hauptschule Wehrstraße – heutige Gesamtschule -, wo die Sitzung bis heute stattfindet. Lediglich 2005 und 2006 mussten die Schmetterlinge in die Aula der Kopernikus Realschule ausweichen, da im November 2004 wesentliche Teile der Hauptschulaula einem Brand zum Opfer fielen.

Neben den bereits benannten Personen gab es im Verlauf des Vereinsbestehens eine Vielzahl von Mitgliedern, die sich für ihren Verein engagierten. Hierzu gehören ohne Zweifel auch Rita Busch und ab 2002 Ingrid Sterzenbach in ihrer Funktion als Vereinsvorsitzende. Ihr Engagement etablierte den Verein in der Region und mit ihrer Weitsicht meisterten sie so manche Herausforderung vorbildlich. Beide Damen sind heute verdiente Ehrenvorsitzende des Vereins und unterstützen diesen natürlich weiterhin. Ingrid Sterzenbach sorgt auch heute noch in ihrer Funktion als Literatin für ein abwechslungsreiches Sitzungsprogramm, welches stets für eine tolle Stimmung sorgt.

Über einen Zeitraum von ca. 20 Jahren leitet Petra Großmann die Weiberfastnachtsitzungen charmant und souverän, nachdem sie 1992 das Amt von Helga Haas übernommen hatte.

Der erste Generationenwechsel auf der Bühne wurde 2011 eingeläutet, als Katharina Carstensen das Amt der Sitzungspräsidentin von Petra Großmann übernahm. Ihre erste Sitzung leitete sie im jungen Alter von 22 Jahren und überzeugte das jecke Publikum im Saal uneingeschränkt.

Ein zweiter Generationenwechsel folgte 2017, als Ingrid Sterzenbach den Vorstandsvorsitz an Tanja Dietrich übergab.

Die Geistinger Schmetterlinge vollzogen somit einen „geräuschlosen“ und vorbildlichen Generationenwechsel und legten so das Fundament für die weiteren Vereinsjahre.

In dieser Session 2021/22 verfügt der Verein über 28 aktive Schmetterlinge, zwei inaktive Mitglieder und zwei Anwärterinnen. Ehrenvorsitzende sind die bereits benannten Rita Busch und Ingrid Sterzenbach. Leider kann aufgrund der Corona-Pandemie in dieser Session die beliebte Weiberfastnachtsitzung nicht stattfinden, aber im kommenden Jahr wird alles nachgeholt.

Im Rahmen ihrer Weiberfastnachtsitzung empfangen die Schmetterlinge als einen Programmhöhepunkt immer die amtierenden Tollitäten auf der Bühne. Natürlich darf dann auch nicht das liebgewonnene Ritual der Übergabe einer Tollitätentorte fehlen.

Dass der Geistinger Karneval eine besondere ausgelassene Atmosphäre bietet, erkannte man bereits in den 30er Jahren. 1932 schrieb eine bekannte Henneferin an ihre Freundin in Köln: „No´m Wieverfastelovend jonn ich emmer no Jeestinge, do weed wick on breet der beste Fastelovend jefiert. Ich jlöve, schöner kann et nit en Kölle sin“.

Die Geistinger Schmetterlinge engagieren sich aber nicht nur karnevalistisch, sondern unterstützen auch caritative und soziale Einrichtungen. Hieraus entstand die Idee, eine Blutspendeaktion in Zusammenarbeit mit dem DRK durchzuführen, deren Termin jedoch seitens des DRK leider kurzfristig wieder abgesagt wurde. Alternativ haben sich Teile der Schmetterlinge dazu entschlossen, ihre Blutspende in der Bonner Uniklinik durchzuführen. Für die Blutspende erhielten die Schmetterlinge eine finanzielle Gegenleistung. Nach einer Aufstockung durch die Vereinskasse konnten somit – trotz Coronazeiten – eine Spende in Höhe von Euro 777,00 an den Hennefer Verein „Frauen helfen Frauen e.V.“ übergeben werden.

Ein zwischenzeitlich etabliertes und liebevoll gehegtes Maskottchen namens „Finchen“ begleitete die Schmetterlinge gerne zum Hennefer bzw. Geistinger Weihnachtsmarkt oder zur Geistinger Altstadtkirmes. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein Plüschtier, sondern um ein Verkaufswagen mit Leckereien wie Waffeln, Kakao, Eierpunsch oder Glühwein. „Finchen“ wurde sogar 2006 durch den zwischenzeitlich verstorbenen Prälat Adolf Opheys, der Senator der Schmetterlinge war, auf dem Hennefer Weihnachtsmarkt gesegnet. Nach der Corona-Zwangspause wartete im „Finchen“ jedoch eine böse Überraschung auf die Schmetterlinge. Scheinbar hatten sich Mäuse in die coronabedingte Selbst-Quarantäne gesetzt und „Finchen“ belagert. Somit musste der Einsatz des Verkaufswagens auf dem Hennefer Weihnachtsmarkt 2021 ausfallen. Doch die Schmetterlinge reagierten gewohnt flexibel und konnten, dank der Unterstützung der Stadt Hennef, dennoch den beliebten Glühwein vom Ahr-Winzer unter das Volk bringen.

Eine Premiere des Vereins ereignete sich, als das aktive Vereinsmitglied Susi Dittrich die Schmetterlinge im November 2019 auf der Bühne der Hennefer Veranstaltungshalle Meiersheide damit überraschte, als sie neben ihrem Prinz Bernd II. als Prinzessin Susanne I. das Hennefer Prinzenpaar stellte. Nun war auch ein Schmetterling eine Tollität. Dementsprechend groß war die Freude im Verein.

Sicherlich könnte man bei einer Vereinsgeschichte von 100 Jahren noch viele Anekdoten und Geschichten erzählen. Die Schmetterlinge haben sich im Hennefer Karneval etabliert und werden sicherlich auch in den nächsten Jahren/Jahrzehnten noch viele Geschichten produzieren und die Herzen der Jeckinnen und Jecken erobern. Der gelungene Generationenwechsel trägt hierzu genauso bei, wie der Zusammenhalt im Verein. Die sympathischen Vereinsmitglieder werden auch weiterhin immer eine tolle Weiberfastnachtsitzung zusammenstellen und in familiärer und liebevoller Atmosphäre „wick on breet der beste Fastelovend fiere“ und dies immer mit einem Lächeln für ihre Gäste!

Text: Frank Specht mit Auszügen von Informationen von der Homepage: www.geistingerschmetterlinge.de

Fotos: Frank Specht und www.geistingerschmetterlinge.de

Foto Geistinger Schmetterlinge im Rahmen ihrer zuletzt stattgefundenen Weiberfastnachtsitzung

Gründungsmitglieder

Gruppenbild Geistinger Schmetterlinge 2005

Bühnenpräsenz Geistinger Schmetterlinge im Jahre 2000


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